Die Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG ist 2026 die wichtigste deutsche Steuerfalle für Auswanderer mit GmbH-, UG- oder AG-Anteilen. Wer die Wegzugsbesteuerung vermeiden oder zumindest legal minimieren will, muss vor der Auswanderung nach Paraguay drei Punkte sauber klären: ob die Wegzugsbesteuerung überhaupt greift (1-Prozent-Schwelle, 7-aus-12-Jahre-Regel), wie hoch sie ausfallen würde (Teileinkünfteverfahren auf stille Reserven) und welche legalen Strategien zur Vermeidung oder Stundung greifen. Dieser Guide zeigt 2026 alle relevanten Mechanismen, Fristen, Beispielrechnungen und Vermeidungsstrategien für deutsche Auswanderer.

Was ist die Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG?
Die Wegzugsbesteuerung ist eine deutsche Sonderregelung im Außensteuergesetz (§ 6 AStG). Sie greift, wenn ein in Deutschland unbeschränkt Steuerpflichtiger mit Anteilen an einer Kapitalgesellschaft Deutschland verlässt. Das deutsche Finanzamt behandelt den Wegzug steuerlich so, als hätten Sie Ihre Anteile zum Marktwert verkauft. Die stillen Reserven zwischen Anschaffungskosten und aktuellem Wert werden besteuert, auch wenn kein echtes Geld geflossen ist.
Die Zielsetzung dieser Wegzugsbesteuerung: verhindern, dass deutsche Unternehmer ihre Firmenanteile steuerfrei ins Ausland mitnehmen, dort verkaufen und so die deutsche Besteuerung der Wertsteigerung dauerhaft umgehen. Für den deutschen Staat geht es bei größeren Beteiligungen schnell um sechs- bis siebenstellige Beträge. Die Wegzugsbesteuerung wird entsprechend streng angewendet und in der jüngeren Vergangenheit (Reform 2022) eher verschärft als gelockert.
Wen die Wegzugsbesteuerung 2026 wirklich betrifft
Die Wegzugsbesteuerung greift NICHT für jeden Auswanderer. Drei Voraussetzungen müssen 2026 gleichzeitig erfüllt sein, damit § 6 AStG überhaupt zur Anwendung kommt.
Voraussetzung 1: Mindestbeteiligung 1 Prozent
Sie müssen direkt oder mittelbar mit mindestens 1 Prozent an einer Kapitalgesellschaft beteiligt sein. Das umfasst GmbH-, UG-, AG-Anteile in Deutschland und gleichgestellte ausländische Kapitalgesellschaften. Anteile unter 1 Prozent (typischerweise Streubesitz an börsennotierten Aktien) fallen nicht unter die Wegzugsbesteuerung.
Voraussetzung 2: Sieben Jahre Steuerpflicht in zwölf Jahren
Sie müssen innerhalb der letzten zwölf Jahre vor dem Wegzug mindestens sieben Jahre in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig gewesen sein. Wer beispielsweise erst 2020 nach Deutschland gezogen ist und 2026 wieder auswandert, hat nur sechs Jahre unbeschränkte Steuerpflicht. Die Wegzugsbesteuerung greift nicht.
Voraussetzung 3: Positive stille Reserven
Der Marktwert der Anteile muss über den Anschaffungskosten liegen. Wenn der Wert Ihrer GmbH unter dem Stammkapital liegt, gibt es keine stillen Reserven, keine Wegzugsbesteuerung. In der Praxis ist diese Konstellation selten, weil aktive Unternehmen meist Wertsteigerungen aufweisen.
Wer die Wegzugsbesteuerung sicher nicht betrifft
- ▹Reine Einzelunternehmer ohne Kapitalgesellschafts-Anteile
- ▹Freelancer und Selbständige ohne GmbH/UG/AG-Beteiligung
- ▹Inhaber von Personengesellschaften (KG, OHG, GbR) ohne Kapitalgesellschafts-Anteile
- ▹ETF- und Aktiendepot-Investoren mit unter 1 Prozent pro Position
- ▹Auswanderer mit Beteiligungen unter 1 Prozent (Streubesitz)
Wer als Freelancer in Paraguay seine US-LLC gründet und keine deutschen GmbH-Anteile hält, kann die Wegzugsbesteuerung getrost ignorieren.
Wie hoch die Wegzugsbesteuerung ausfällt: Beispielrechnung
Die konkrete Höhe der Wegzugsbesteuerung hängt vom Wertzuwachs der Anteile (stille Reserven) und vom persönlichen Steuersatz ab. Das Berechnungsverfahren läuft seit 2009 nach dem Teileinkünfteverfahren, 60 Prozent der stillen Reserven sind steuerpflichtig, 40 Prozent steuerfrei.
Beispielrechnung Wegzugsbesteuerung GmbH 500.000 EUR Wert
Ausgangslage: GmbH-Gründung 2020 mit 25.000 EUR Stammkapital, Wert 2026 laut Substanz- oder Ertragswertgutachten 500.000 EUR.
- ▹Stille Reserven: 500.000 EUR minus 25.000 EUR = 475.000 EUR
- ▹Teileinkünfteverfahren: 60 Prozent von 475.000 EUR = 285.000 EUR steuerpflichtig
- ▹Persönlicher Spitzensteuersatz (zzgl. Soli): rund 45 Prozent
- ▹Wegzugsbesteuerung gesamt: rund 128.000 EUR
Diese 128.000 EUR werden bei sofortiger Festsetzung als Vorauszahlung fällig, auch ohne tatsächlichen Anteilsverkauf.
Beispielrechnung Wegzugsbesteuerung UG 150.000 EUR Wert
Ausgangslage: UG-Gründung 2018 mit 1.000 EUR Stammkapital, Wert 2026 laut Bewertung 150.000 EUR.
- ▹Stille Reserven: 149.000 EUR
- ▹Teileinkünfteverfahren: 60 Prozent = 89.400 EUR steuerpflichtig
- ▹Persönlicher Steuersatz (kombiniert): rund 42 Prozent
- ▹Wegzugsbesteuerung gesamt: rund 37.550 EUR
Auch für kleinere UGs kann die Wegzugsbesteuerung schnell fünfstellig werden, gut planbar, aber nicht zu unterschätzen.
Wegzugsbesteuerung vermeiden: die fünf wichtigsten Strategien
Die Wegzugsbesteuerung lässt sich 2026 nicht überall vermeiden, aber für die meisten Auswanderer-Konstellationen gibt es legale Strategien zur Minimierung oder vollständigen Vermeidung.
Strategie 1: Wegzugsbesteuerung durch frühzeitigen Anteilsverkauf vermeiden
Wer seine GmbH-Anteile mehrere Jahre vor dem geplanten Wegzug verkauft, vermeidet die Wegzugsbesteuerung vollständig. Der Verkaufserlös wird zwar mit dem Teileinkünfteverfahren regulär versteuert, aber Sie erhalten tatsächlich Geld dafür und können die Steuer aus dem Verkaufserlös zahlen. Diese Strategie passt für Auswanderer, die ihre GmbH ohnehin nicht behalten wollen.
Strategie 2: Wegzugsbesteuerung durch GmbH-Liquidation vermeiden
Die geordnete Liquidation der Kapitalgesellschaft vor dem Wegzug eliminiert die Wegzugsbesteuerung. Im Liquidationsverfahren werden Vermögenswerte verkauft, Verbindlichkeiten beglichen und der Restbetrag an die Gesellschafter ausgeschüttet. Diese Ausschüttung ist regulär steuerpflichtig, typischerweise günstiger als die Wegzugsbesteuerung, weil der Liquidationserlös tatsächlich fließt. Wichtig: Das gesetzliche Sperrjahr (12 Monate) für Gläubigeransprüche muss eingehalten werden. Die Liquidation dauert real 14-18 Monate. Wer die GmbH abwickeln will, muss früh starten.
Strategie 3: Wegzugsbesteuerung durch Stundung minimieren (§ 6 Abs. 4 AStG)
Die Stundung ist die wichtigste Strategie für Auswanderer, die ihre Anteile behalten wollen. Innerhalb der EU und des EWR (Island, Liechtenstein, Norwegen) erhalten Auswanderer seit 2022 nur noch eine 7-Jahres-Ratenzahlung statt der früheren zinslosen unbegrenzten Stundung, ein deutlicher Nachteil der Reform. Beim Wegzug in Drittstaaten wie Paraguay ist eine Stundung theoretisch möglich, aber an Sicherheitsleistungen gebunden (Bankbürgschaft, Verpfändung) und erfolgt typischerweise gegen Verzinsung.
Strategie 4: Wegzugsbesteuerung durch Umwandlung in Personengesellschaft vermeiden
Die Umwandlung einer GmbH in eine Personengesellschaft (KG, GbR) vor dem Wegzug eliminiert die Wegzugsbesteuerung. Personengesellschafts-Anteile fallen nicht unter § 6 AStG. Die Umwandlung selbst kann allerdings andere Steuerfolgen auslösen (Realisierung stiller Reserven im Sonderbetriebsvermögen) und erfordert sorgfältige Planung mit spezialisiertem Steuerberater. Für etablierte mittelständische GmbHs lohnt sich diese Strategie selten.
Strategie 5: Wegzugsbesteuerung durch verlängerte Beibehaltung der deutschen Steuerpflicht vermeiden
Wer den Wegzug verschiebt, bis bestimmte Voraussetzungen für die Stundung greifen oder bis stille Reserven durch Sondereffekte (Investitions-Aufwand, Abschreibung) reduziert sind, kann die Wegzugsbesteuerung indirekt minimieren. Diese Strategie ist nur in spezifischen Konstellationen sinnvoll und erfordert Mehrjahres-Planung.
Erweiterte beschränkte Steuerpflicht (§ 2 AStG) als zweite Falle
Neben der Wegzugsbesteuerung existiert eine weitere deutsche Regelung, die Paraguay-Auswanderer kennen müssen: die erweiterte beschränkte Steuerpflicht nach § 2 AStG. Sie greift, wenn ein deutscher Auswanderer in ein Niedrigsteuerland zieht und noch "wesentliche wirtschaftliche Interessen" in Deutschland behält.
Paraguay gilt im deutschen Steuerrecht als Niedrigsteuerland, das Territorialprinzip mit 0 Prozent auf Auslandseinkommen erfüllt die Definition. Die erweiterte beschränkte Steuerpflicht kann damit bis zu zehn Jahre nach dem Wegzug bestimmte deutsche Einkünfte weiter besteuern:
- ▹Einkünfte aus wesentlichen Beteiligungen an deutschen Kapitalgesellschaften (Dividenden, Veräußerungsgewinne)
- ▹Einkünfte aus der Vermietung deutscher Immobilien
- ▹Einkünfte aus Lizenzgebühren und Patenten mit deutscher Quelle
- ▹Einkünfte aus deutschen Betriebsstätten
- ▹Bestimmte Einkünfte aus deutschen Wertpapieren
Für die meisten Freelancer und digitalen Nomaden ohne nennenswerte deutsche Vermögenswerte ist § 2 AStG irrelevant. Wer eine vermietete Immobilie in Deutschland besitzt, deutsche Tantiemen bezieht oder GmbH-Anteile behält, sollte die Konsequenzen der erweiterten beschränkten Steuerpflicht in der Auswanderungsplanung berücksichtigen.
Wegzugsbesteuerung-Planung: der Zeitfaktor
Die Wegzugsbesteuerung ist planbar, aber nur mit ausreichendem Vorlauf. Wer drei Monate vor dem geplanten Paraguay-Umzug merkt, dass die Wegzugsbesteuerung greift, hat sehr wenig Spielraum. Realistische Planungshorizonte:
- ▹1-3 Monate vor Wegzug: Bewertung der Anteile, Klärung Stundung, Sicherheitsleistung. Keine Strukturierungsoptionen mehr.
- ▹6-12 Monate vor Wegzug: Anteilsverkauf möglich, Stundungsanträge vorbereiten, ggf. Umwandlung der GmbH. Eingeschränkter Spielraum.
- ▹1-2 Jahre vor Wegzug: GmbH-Liquidation startbar (Sperrjahr 12 Monate), umfassende Strukturierung möglich, Verkauf an Mitgesellschafter mit Vorlauf verhandelbar.
- ▹2-3 Jahre vor Wegzug: Vollständige Optionen offen, Umstrukturierung, Verkauf, Liquidation, Holding-Aufbau. Optimaler Planungshorizont.
Die Praxis-Empfehlung: Wer eine GmbH-Beteiligung über 1 Prozent hält und nach Paraguay auswandern will, beginnt die Wegzugsbesteuerung-Planung idealerweise 18 bis 24 Monate vor dem geplanten Umzug. Das gibt genug Spielraum für alle Strategien einschließlich Liquidation.
Bereit, die Wegzugsbesteuerung vor der Paraguay-Auswanderung sauber zu klären?
Die Wegzugsbesteuerung ist 2026 die häufigste teure Überraschung für deutsche Auswanderer nach Paraguay. Ein nicht erkannter Anteil über 1 Prozent, ein zu spät eingeleitetes Liquidationsverfahren oder eine vergessene Stundungs-Anzeige kann fünf- bis sechsstellige Nachforderungen auslösen. Vereinbaren Sie ein kostenloses Erstgespräch. Wir prüfen Ihre individuelle Beteiligungs-Struktur, klären, ob § 6 AStG bei Ihnen greift, und vermitteln bei Bedarf spezialisierte Steuerberater für die detaillierte Wegzugsbesteuerung-Planung.

Fallbeispiele: Wegzugsbesteuerung in der Praxis
Drei reale Konstellationen aus der Beratung, Namen geändert, Logik identisch.
Fallbeispiel 1: Markus, Software-Entwickler mit 50-Prozent-GmbH-Anteil
Markus, 38, hält 50 Prozent an einer Software-GmbH mit aktuellem Wert 800.000 EUR. Sein Anteil ist 400.000 EUR wert, Anschaffungskosten 12.500 EUR. Die potenzielle Wegzugsbesteuerung läuft auf rund 100.000 EUR hinaus. Entscheidung: Markus verkauft seine Anteile 18 Monate vor dem Paraguay-Umzug an seinen Mitgesellschafter, versteuert den Verkaufserlös regulär (ebenfalls Teileinkünfteverfahren) und transferiert den Netto-Erlös von rund 300.000 EUR nach Paraguay. Vorteil: Markus hat das Geld in der Hand und zahlt nur, was er auch erhält.
Fallbeispiel 2: Lisa, E-Commerce-UG mit 150.000 EUR Wert
Lisa, 32, betreibt eine E-Commerce-UG (Stammkapital 1.000 EUR, Wert 150.000 EUR). Wegzugsbesteuerung wäre rund 37.000 EUR. Entscheidung: Lisa entscheidet sich für die Liquidation der UG, weil sie das Geschäft ohnehin auflöst und unter eigener US-LLC neu in Paraguay aufbaut. Der Liquidationsprozess dauert 16 Monate (Sperrjahr plus Abwicklung), die finale Ausschüttung versteuert sie regulär. Nach der Liquidation wandert Lisa ohne Wegzugsbesteuerung nach Paraguay aus.
Fallbeispiel 3: Thomas, Berater mit unter 1-Prozent-Beteiligung
Thomas, 45, hält 0,8 Prozent an einer ehemaligen Arbeitgeber-AG, deren Aktien er als Mitarbeiter-Beteiligung erhalten hat. Wegzugsbesteuerung greift NICHT, weil die Beteiligung unter 1 Prozent liegt. Thomas kann ohne Wegzugsbesteuerung nach Paraguay auswandern, die laufenden Aktien-Dividenden fallen aber unter die erweiterte beschränkte Steuerpflicht nach § 2 AStG (Niedrigsteuerland-Wegzug, deutsche Quelle, 10 Jahre).
Wegzugsbesteuerung und Paraguay-Niedrigsteuerland-Status
Paraguay wird vom deutschen Bundesfinanzministerium 2026 weiterhin als Niedrigsteuerland eingestuft. Das hat für die Wegzugsbesteuerung zwei konkrete Konsequenzen:
- ▹Stundung erschwert: Die zinslose Stundung der Wegzugsbesteuerung gilt nur für EU/EWR-Auswanderer mit Beschränkungen, bei Paraguay-Wegzug muss der Auswanderer Sicherheitsleistungen erbringen (Bankbürgschaft, Verpfändung) und unterliegt Verzinsung. Eine sofortige Zahlung der Wegzugsbesteuerung ist oft günstiger als die Stundungs-Konstruktion.
- ▹Erweiterte beschränkte Steuerpflicht aktiv: § 2 AStG greift nur bei Wegzug in Niedrigsteuerländer, Paraguay erfüllt diese Definition. Wer deutsche Einkommensquellen behält (Immobilien-Vermietung, GmbH-Dividenden, Tantiemen), bleibt zehn Jahre lang in Deutschland beschränkt steuerpflichtig.
Die verbindliche Niedrigsteuerland-Liste und die Kriterien für § 2 AStG veröffentlicht das Bundesministerium der Finanzen in regelmäßigen Aktualisierungen.
Die rechtlichen Grundlagen dazu erklärt ausführlich unser Leitfaden zur Wegzugsbesteuerung nach Paraguay.
Häufige Fragen zur Wegzugsbesteuerung vermeiden
Wann greift die Wegzugsbesteuerung 2026?
Die Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG greift 2026, wenn drei Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt sind: Beteiligung von mindestens 1 Prozent an einer Kapitalgesellschaft, mindestens 7 Jahre unbeschränkte deutsche Steuerpflicht innerhalb der letzten 12 Jahre und positive stille Reserven (Marktwert über Anschaffungskosten). Fehlt eine dieser Voraussetzungen, greift die Wegzugsbesteuerung nicht.
Wie kann ich die Wegzugsbesteuerung vor der Paraguay-Auswanderung vermeiden?
Die Wegzugsbesteuerung lässt sich vor der Paraguay-Auswanderung durch fünf Strategien vermeiden oder minimieren: Anteilsverkauf vor dem Wegzug, Liquidation der Kapitalgesellschaft, Umwandlung in eine Personengesellschaft, Stundung mit Sicherheitsleistung oder strategische Verschiebung des Wegzugs. Welche Strategie greift, hängt vom konkreten Profil ab.
Wie viel kostet eine GmbH-Liquidation zur Wegzugsbesteuerung-Vermeidung?
Die Liquidation einer GmbH zur Vermeidung der Wegzugsbesteuerung kostet typischerweise 3.000 bis 8.000 EUR an Beratungs-, Notar- und Liquidatorenkosten, plus laufende Steuerberatungs-Honorare während des 14-18-monatigen Liquidationsverfahrens. Bei einer drohenden Wegzugsbesteuerung von 30.000 EUR oder mehr amortisiert sich die Liquidation deutlich.
Wie lange dauert das Sperrjahr bei der GmbH-Liquidation?
Das gesetzliche Sperrjahr im Liquidationsverfahren beträgt 12 Monate ab Bekanntmachung der Auflösung im Bundesanzeiger. Erst nach Ablauf des Sperrjahres kann die Schlussverteilung an die Gesellschafter erfolgen. Wer die GmbH zur Wegzugsbesteuerung-Vermeidung auflösen will, plant realistisch 14-18 Monate Gesamtdauer ein.
Greift die Wegzugsbesteuerung bei Wegzug nach Paraguay schärfer als bei EU-Wegzug?
Ja, bei Wegzug nach Paraguay (Drittstaat) ist die Wegzugsbesteuerung schärfer als bei EU/EWR-Wegzug. Bei EU/EWR-Wegzug greift seit 2022 die 7-Jahres-Ratenzahlung; bei Paraguay-Wegzug erfolgt Stundung nur gegen Sicherheitsleistung und Verzinsung. Eine sofortige Zahlung ist oft günstiger als die Drittstaaten-Stundung.
Was kostet die Wegzugsbesteuerung bei einer GmbH mit 500.000 EUR Wert?
Bei einer GmbH mit aktuellem Wert 500.000 EUR und Stammkapital 25.000 EUR beträgt die Wegzugsbesteuerung 2026 rund 128.000 EUR (stille Reserven 475.000 EUR, Teileinkünfteverfahren 60 Prozent = 285.000 EUR steuerpflichtig, Spitzensteuersatz plus Soli rund 45 Prozent). Die genaue Höhe variiert mit dem persönlichen Steuersatz.
Kann ich die Wegzugsbesteuerung nach der Auswanderung noch vermeiden?
Nein, die Wegzugsbesteuerung wird zum Zeitpunkt der Aufgabe der unbeschränkten Steuerpflicht ausgelöst, eine nachträgliche Vermeidung nach erfolgtem Wegzug ist ausgeschlossen. Stundungsanträge müssen vor oder direkt mit der Wegzugs-Anzeige beim Finanzamt eingereicht werden. Nach der Auswanderung sind nur noch Zahlungs-Strategien möglich, keine Vermeidungs-Strategien.
Brauche ich für die Wegzugsbesteuerung einen spezialisierten Steuerberater?
Für die Wegzugsbesteuerung-Planung ist ein auf Außensteuerrecht spezialisierter Steuerberater oder Fachanwalt für Steuerrecht dringend zu empfehlen. Beratungskosten liegen typischerweise zwischen 1.500 und 6.000 EUR, angesichts der drohenden fünf- bis sechsstelligen Steuerlast eine gut investierte Versicherung. Standard-Steuerberater ohne Außensteuer-Spezialisierung übersehen häufig kritische Detailregelungen.
Wie wird der Wert meiner GmbH für die Wegzugsbesteuerung ermittelt?
Die Bewertung der GmbH-Anteile für die Wegzugsbesteuerung erfolgt nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren (§ 11 Abs. 2 BewG) oder durch externes Substanzwert-Gutachten. Das vereinfachte Ertragswertverfahren multipliziert den durchschnittlichen Jahresgewinn der letzten drei Jahre mit dem Faktor 13,75 (2026-Wert). Externe Gutachten kosten 2.000-8.000 EUR und können bei aktiven Unternehmen mit Substanz oft niedrigere Werte ergeben als die schematische Berechnung.
Was passiert bei Rückkehr nach Deutschland innerhalb von 7 Jahren?
Bei Rückkehr nach Deutschland innerhalb von 7 Jahren nach dem Wegzug und Wiederaufleben der unbeschränkten Steuerpflicht kann die Wegzugsbesteuerung rückwirkend entfallen (§ 6 Abs. 3 AStG). Voraussetzung: Die Anteile waren während der Auslandszeit nicht verkauft und keine wesentliche Wertminderung wurde realisiert. Diese Rückkehr-Klausel ist eine wichtige Sicherheits-Option für Auswanderer, die sich die Rückkehr offenhalten wollen.
Fazit: Wegzugsbesteuerung vermeiden ist Frage der Vorbereitung
Die Wegzugsbesteuerung muss die Paraguay-Auswanderung nicht durchkreuzen. Für die Mehrheit der deutschen Auswanderer, Einzelunternehmer, Freelancer, Beteiligte unter 1 Prozent, greift § 6 AStG nicht, und die Auswanderung kann ohne diese Steuerfalle erfolgen. Für deutsche Auswanderer mit GmbH-, UG- oder AG-Beteiligungen über 1 Prozent ist die Wegzugsbesteuerung 2026 die wichtigste Planungs-Aufgabe vor dem Paraguay-Umzug.
Die fünf Vermeidungs-Strategien, Anteilsverkauf, GmbH-Liquidation, Umwandlung in Personengesellschaft, Stundung mit Sicherheitsleistung, strategischer Wegzugsaufschub, decken praktisch alle Konstellationen ab. Welche Strategie passt, hängt vom konkreten Beteiligungs-Profil, von der Höhe der stillen Reserven und vom verfügbaren Zeitfenster ab. Der wichtigste Erfolgsfaktor: rechtzeitige Planung. Wer 18-24 Monate vor dem Wegzug die Wegzugsbesteuerung-Analyse startet, hat alle Optionen offen. Wer drei Monate vorher anfängt, hat nur noch die teuerste Variante übrig.
Rechtsgrundlagen und Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Steuer- oder Rechtsberatung. Die Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG, die erweiterte beschränkte Steuerpflicht nach § 2 AStG und die zugehörigen Bewertungsvorschriften können sich kurzfristig ändern, die Reformen 2022 zur EU-Stundung zeigen das deutlich. Verbindliche Vorgaben veröffentlicht das Bundesministerium der Finanzen. Verlassen Sie sich vor der Auswanderung immer auf eine aktuelle individuelle Beratung durch einen Fachanwalt für Steuerrecht oder einen Steuerberater mit Außensteuer-Spezialisierung.
Haben Sie Fragen zur Wegzugsbesteuerung vor Ihrer Paraguay-Auswanderung? Vereinbaren Sie ein kostenloses Erstgespräch, wir verschaffen uns gemeinsam einen Überblick über Ihre Situation und vermitteln bei Bedarf spezialisierte Steuerberater für die detaillierte Wegzugsbesteuerung-Planung.

Über den Autor
Yannick Schroth
Gründer · Paraguay-Auswanderungsberater
Lebt in Asunción und begleitet deutschsprachige Auswanderer auf dem Weg zu Residenz, Cedula und steueroptimierter Firmenstruktur in Paraguay.





