Paraguay lebt seit Jahrzehnten von billigem Wasserkraft-Überschuss, doch der könnte knapp werden. Das Land befinde sich in einer entscheidenden Phase, um eine Energie-Knappheit zu vermeiden, warnte Wirtschaftsminister Javier Giménez laut einem Bericht vom 13. Juli 2026. Der Kern: Ohne neue Erzeugung könnte der Stromüberschuss bis 2030 aufgebraucht sein. Die Regierung setzt deshalb auf private Investitionen und neue Energiequellen.

Warum der Überschuss schrumpft
Paraguay erzeugt fast seinen gesamten Strom aus Wasserkraft, vor allem aus Itaipú (mit Brasilien), Yacyretá (mit Argentinien) und Acaray. Traditionell exportiert das Land den Überschuss. Doch Wirtschaftswachstum, Elektrifizierung und stromhungrige Großprojekte wie KI-Rechenzentren lassen die Nachfrage steigen. Neue Erzeugungskapazität entstand zuletzt kaum. Laut Regierung droht deshalb ohne Gegensteuern bis 2030 das Ende des Überschusses.
Welche Optionen auf dem Tisch liegen
Genannt werden mehrere Wege, das Angebot zu erweitern: Gaskraftwerke, unter anderem mit Erdgas aus dem argentinischen Feld Vaca Muerta, die Repotenzierung bestehender Wasserkraftwerke, Solarenergie mit Batteriespeichern, Windparks (etwa im höher gelegenen Pedro Juan Caballero) sowie kleine Wasserkraftwerke. Ein Pilotprojekt mit schwimmenden Solarpaneelen auf dem Itaipú-Stausee kam auf Kosten von 30 bis 35 US-Dollar pro Megawattstunde, deutlich unter den ursprünglich erwarteten 60 bis 70 US-Dollar.
Entscheidend ist aus Sicht der Regierung ein struktureller Punkt: Der Strommarkt war bislang stark auf den staatlichen Versorger ANDE konzentriert. Um privates Kapital anzuziehen, brauche es institutionelle Reformen und einfachere Bedingungen. Ausländische Investoren zeigen laut Regierung Interesse, neue Erzeugung aufzubauen.
Was das für Auswanderer und Investoren bedeutet
Für den Alltag von Auswanderern ändert sich kurzfristig wenig: Strom ist in Paraguay weiterhin günstig und stabil. Die Meldung ist aber ein ehrliches Signal, dass auch ein Vorzeige-Standort langfristige Infrastruktur-Aufgaben hat. Für unternehmerisch denkende Leser ist die Marktöffnung interessant: Energie könnte ein Investitionsfeld werden. Das passt zum größeren Bild aus stabilem Wachstum, Territorialprinzip mit null Prozent Steuer auf Auslandseinkommen (Ley 6380/2019) und wachsender Investoren-Nachfrage, etwa durch KI-Rechenzentren. Grundlagen dazu im Leitfaden zum Investieren in Paraguay.
Ehrlich eingeordnet: Eine Warnung ist noch keine Krise. Bis 2030 ist Zeit, und die genannten Projekte sind teils Pilotprojekte oder Absichtserklärungen. An den Steuerregeln für Privatpersonen ändert die Energiefrage nichts. Maßgeblich bleibt Ihre tatsächliche Steueransässigkeit.
Häufige Fragen
Droht in Paraguay ein Stromausfall?
Nein. Die Regierung warnt vorausschauend, dass der Export-Überschuss ohne neue Erzeugung bis 2030 aufgebraucht sein könnte. Für die Versorgung im Alltag gibt es aktuell keine akute Knappheit.
Woher kommt Paraguays Strom?
Fast vollständig aus Wasserkraft, vor allem aus den binationalen Werken Itaipú (mit Brasilien) und Yacyretá (mit Argentinien) sowie Acaray. Geplant sind Ergänzungen durch Gas, Solar, Wind und kleine Wasserkraft.
Quellen: ABC Color (13. Juli 2026, Aussagen von Wirtschaftsminister Javier Giménez), ANDE, Itaipú Binacional. Stand: 14. Juli 2026.
Hinweis: Dieser Artikel gibt den Stand vom 14. Juli 2026 wieder und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Energiepolitische Vorhaben können sich ändern.
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Über den Autor
Yannick Schroth
Gründer · Paraguay-Auswanderungsberater
Lebt in Asunción und begleitet deutschsprachige Auswanderer auf dem Weg zu Residenz, Cedula und steueroptimierter Firmenstruktur in Paraguay.





