Korrektur vom 1. Oktober 2026: In der ersten Fassung hieß es, die meisten Bescheinigungen entfielen auf die Kategorien ab 200.000 Dollar. Das Gegenteil trifft zu: Knapp neun von zehn betreffen den produktiven Weg. Außerdem umfassen die 140 Bescheinigungen das Kalenderhalbjahr Januar bis Juni, also auch Fälle nach der Vorgängerregel.
Im ersten Halbjahr 2026, von Januar bis Juni, hat Paraguays Industrieministerium 140 Investoren-Bescheinigungen für den Weg in die permanente Residenz ausgestellt. Die dahinterstehenden Investitionen summieren sich auf 31,03 Millionen US-Dollar, projektiert sind 1.026 formelle Arbeitsplätze. Das sind die ersten belastbaren Zahlen zu einem Programm, über das seit April viel geschrieben und wenig gerechnet wurde. Unter den fünf wichtigsten Herkunftsländern steht auch die Schweiz.
Was die Zahlen sagen
Das Programm läuft seit April 2026 auf Grundlage der Resolución MIC N° 283/2026 des Ministeriums für Industrie und Handel. Wie es aufgebaut ist, haben wir im Juni beschrieben. Es regelt die Constancia de Inversionista Extranjero, die Bescheinigung, mit der ein ausländischer Investor das Verfahren bei der Migrationsbehörde überhaupt erst beginnen kann. Die Halbjahreszahl umfasst auch Bescheinigungen, die bis April noch nach der Vorgängerregel (Resolución MIC 1052/2025) ausgestellt wurden; sie kannte nur den produktiven Weg.
Die Bilanz des ersten Halbjahres:
- ▹140 ausgestellte Investoren-Bescheinigungen
- ▹31,03 Millionen US-Dollar an erklärten Investitionen, umgerechnet rund 26,6 Millionen Euro
- ▹1.026 projektierte formelle Arbeitsplätze
- ▹davon 18 Bescheinigungen in den drei neuen Kategorien seit April: 15 Immobilien, 2 Finanzanlagen, 1 Tourismus
- ▹Kapital überwiegend aus Brasilien, Spanien, Argentinien, der Schweiz und den USA
Die Zuständigkeiten sind dreigeteilt: Das MIC verantwortet das Programm, die Behördenschleuse SUACE stellt die Bescheinigung aus, und die Migrationsbehörde wickelt anschließend die permanente Residenz ab.
Die vier Wege und was sie kosten
Der Investor Pass kennt vier Kategorien mit unterschiedlichen Mindestbeträgen:
| Kategorie | Mindestinvestition | Besonderheit |
|---|---|---|
| Produktiv | 70.000 USD (rund 60.000 €) | Geschäftsplan mit mindestens fünf formellen Arbeitsplätzen |
| Tourismus | 150.000 USD (rund 128.500 €) | vorab genehmigter Geschäftsplan, Halbjahresberichte |
| Immobilien | 200.000 USD (rund 171.400 €) | nur Anlageobjekte, mindestens 30 % gezahlt |
| Finanzanlage | 200.000 USD (rund 171.400 €) | über zugelassene Stelle in Paraguay, zwei Jahre halten |
Umgerechnet zu den Referenzkursen von Ende August; die Euro-Werte sind gerundet und hängen vom Wechselkurs ab.
Welche Kategorie des Investor Pass tatsächlich genutzt wird
31,03 Millionen Dollar verteilt auf 140 Bescheinigungen ergeben einen Schnitt von rund 221.600 Dollar je Fall. Auf die Kategorien lässt das aber nicht schließen. Laut Vizeminister Eduardo Gustale (Rediex) entfielen nur 18 Bescheinigungen auf die drei neuen Kategorien, 15 davon auf Immobilien. Rund 122, also knapp neun von zehn, betreffen den produktiven Weg. Den hohen Schnitt ziehen wenige große Investitionen nach oben; beim Kapital lag Spanien vorn, bei der Zahl der Fälle Brasilien.
Anders gesagt: Die günstigste Tür ist die meistgenutzte, obwohl sie die meisten Pflichten mit sich bringt. Welche das sind, zeigt der nächste Abschnitt.
Warum die 70.000 Dollar die teuerste Zahl im Programm sind
Der produktive Weg verlangt einen Geschäftsplan mit mindestens fünf formellen Arbeitsplätzen. Formell heißt in Paraguay: angemeldet, mit Sozialversicherung, mit Lohnnebenkosten. Was das kostet, rechnen die wenigsten vorher durch.
Zum gesetzlichen Mindestlohn von 3.044.000 Gs. monatlich, gültig seit dem 1. Juli 2026, kommt der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung IPS von 16,5 Prozent. Pro Kopf sind das rund 3,55 Millionen Gs. im Monat, für fünf Stellen also rund 17,7 Millionen Gs. monatlich. Mit dem gesetzlich vorgeschriebenen dreizehnten Gehalt, dem Aguinaldo, kommen über das Jahr rund 228 Millionen Gs. zusammen, zum Kurs von Ende August rund 32.500 Euro allein an Personalkosten.
Das ist eine Untergrenze, gerechnet mit dem Mindestlohn. Wer Fachkräfte braucht, zahlt mehr.
Die Konsequenz: Die Eintrittsinvestition von rund 60.000 Euro ist nach knapp zwei Jahren von der Lohnsumme überholt. Der produktive Weg ist kein günstiges Residenz-Ticket, sondern die Verpflichtung, ein echtes Unternehmen mit echten Angestellten zu führen. Wer das ohnehin vorhat, für den ist es der billigste Einstieg. Wer nur die Residenz will, wählt die falsche Kategorie.
Was daran ehrlich einzuordnen ist
Die Quelle selbst grenzt sauber ab, und das gehört dazu: Die 31 Millionen sind erklärte Investitionen, nicht geprüfte oder abgeschlossene. Und die 1.026 Arbeitsplätze sind projektiert, nicht geschaffen. Zwischen einem genehmigten Geschäftsplan und einer laufenden Lohnbuchhaltung liegt in jedem Land eine erhebliche Strecke.
Belastbar ist damit die Zahl der Bescheinigungen. Alles andere ist eine Absichtserklärung mit Behördenstempel. Das entwertet das Programm nicht, aber es macht aus 31 Millionen Dollar noch keine 31 Millionen Dollar in paraguayischen Unternehmen.
Was das für Auswanderer bedeutet
Erstens, und das ist der wichtigste Punkt: Für Ausländer ohne paraguayische Familie ist der Investor Pass der einzige Direktweg in die permanente Residenz. Direkt hinein kommen sonst nur Ehepartner und Kinder paraguayischer Staatsangehöriger. Für alle anderen gilt der zweistufige Regelweg über die temporäre Residenz, wie er im Leitfaden zur permanenten Residenz beschrieben ist. Ältere Ratgeber nennen hier gelegentlich noch Rentner; das ist überholt.
Zweitens: Die Schweiz unter den Top fünf ist ein Signal. Es sind nicht nur Nachbarländer, die den Weg nutzen. Wer aus dem deutschsprachigen Raum kommt und ohnehin unternehmerisch nach Paraguay schaut, ist damit nicht der Erste.
Drittens: Die Kategorie entscheidet über den Aufwand, nicht über das Ergebnis. Alle vier Wege führen zur permanenten Residenz. Sie unterscheiden sich in dem, was danach an Pflichten bleibt. Die Immobilien- und Finanzwege binden mehr Kapital, aber keine Lohnbuchhaltung. Der produktive Weg ist kapitalschonend und pflichtenreich. Die Zahlen des ersten Halbjahres zeigen: Die meisten Investoren gehen bislang den produktiven Weg, unter den neuen Kategorien führen die Immobilien. Dort gilt allerdings, dass eine selbst genutzte Wohnung nicht zählt.
Viertens: Am Steuersystem ändert das nichts. Das Territorialprinzip der Ley 6380/2019 gilt für Investoren wie für alle anderen. Wer eine paraguayische Gesellschaft betreibt, versteuert deren inländischen Gewinn mit 10 Prozent IRE, Ausschüttungen mit 8 Prozent IDU. Details stehen im Leitfaden zum Investieren und, für den Immobilienweg, im Immobilien-Guide.
Häufige Fragen zum Investor Pass
Reichen 70.000 Dollar im Investor Pass für die permanente Residenz?
Als Investitionssumme ja, aber die Kategorie verlangt zusätzlich einen Geschäftsplan mit mindestens fünf formellen Arbeitsplätzen. Die laufenden Personalkosten dafür liegen bei rund 32.500 Euro im Jahr, gerechnet zum Mindestlohn und zum Kurs von Ende August 2026.
Welche Kategorie des Investor Pass wird am häufigsten genutzt?
Der produktive Weg ab 70.000 USD, mit großem Abstand. Von den 140 Bescheinigungen des ersten Halbjahres entfielen laut Vizeminister Eduardo Gustale nur 18 auf die drei neuen Kategorien: 15 Immobilien, 2 Finanzanlagen, 1 Tourismus.
Sind die 1.026 Arbeitsplätze der Investoren-Bescheinigungen bereits entstanden?
Nein. Es handelt sich um projektierte Stellen aus den eingereichten Geschäftsplänen. Geschaffene Arbeitsplätze weist die Statistik nicht aus.
Brauche ich für den Investor Pass zuerst eine temporäre Residenz?
Nein, das ist der Kern des Programms. Der Weg führt über die Investoren-Bescheinigung direkt in die permanente Residenz, ohne die zweijährige Zwischenstufe. Wie das im Vergleich zum Regelweg aussieht, steht im Beitrag als Anleger nach Paraguay.
Investor Pass für Sie? Sobald Sie sich für eine Kategorie entschieden haben, begleiten wir den Investor Pass organisatorisch bis zur Cédula; für die Immobilien-Kategorie helfen wir auch bei der Immobiliensuche. Kommt der Kauf über einen unserer Partner-Makler zustande, erhalten wir von diesem eine Provision.
Hinweis: Dieser Artikel gibt den Stand vom 27. August 2026 wieder, korrigiert am 1. Oktober 2026, und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Mindestbeträge, Kategorien und Verfahren können sich ändern; verbindlich sind die Angaben des Ministeriums für Industrie und Handel sowie der Dirección Nacional de Migraciones. Die Euro-Umrechnungen sind Orientierungswerte zum Kurs von Ende August 2026.
Quellen: Prensa Mercosur vom 26.08.2026 zur Halbjahresbilanz des Investor Pass, InfoNegocios vom 21.07.2026 zur Aufschlüsselung nach Kategorien (Vizeminister Eduardo Gustale, Rediex), La Nación vom 09.08.2026 zu den Kategorien und Mindestbeträgen, Dirección Nacional de Migraciones zum Programm sowie Resolución MIC N° 283/2026. Mindestlohn und IPS-Sätze nach paraguayischem Arbeits- und Sozialversicherungsrecht, Stand Juli 2026.

Über den Autor
Yannick Schroth
Gründer · Einwanderungshelfer für Paraguay
Begleitet mit seinem Team vor Ort in Asunción deutschsprachige Einwanderer auf dem Weg zu Residenz, Cedula und Firmengründung in Paraguay.






