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Paraguays Investor Pass: 140 Bescheinigungen in sechs Monaten
Auswanderung & Residenz

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Paraguays Investor Pass: 140 Bescheinigungen in sechs Monaten

31 Millionen Dollar erklärte Investitionen, 1.026 projektierte Jobs, die Schweiz unter den Top fünf. Und warum 70.000 Dollar die teuerste Zahl sind.

Yannick SchrothYannick Schroth
5 Min. Lesezeit

Der Paraguay Investor Pass hat in seinem ersten halben Jahr 140 Investoren-Bescheinigungen hervorgebracht. Die dahinterstehenden Investitionen summieren sich auf 31,03 Millionen US-Dollar, projektiert sind 1.026 formelle Arbeitsplätze. Das sind die ersten belastbaren Zahlen zu einem Programm, über das seit April viel geschrieben und wenig gerechnet wurde. Unter den fünf wichtigsten Herkunftsländern steht auch die Schweiz.

Was die Zahlen sagen

Das Programm läuft seit April 2026 auf Grundlage der Resolución MIC 0283/2026 des Ministeriums für Industrie und Handel. Wie es aufgebaut ist, haben wir bei der Einführung im Juni beschrieben. Es regelt die Constancia de Inversionista Extranjero, die Bescheinigung, mit der ein ausländischer Investor das Verfahren bei der Migrationsbehörde überhaupt erst beginnen kann.

Die Bilanz des ersten Halbjahres:

  • 140 ausgestellte Investoren-Bescheinigungen
  • 31,03 Millionen US-Dollar an erklärten Investitionen, umgerechnet rund 26,6 Millionen Euro
  • 1.026 projektierte formelle Arbeitsplätze
  • Kapital überwiegend aus Brasilien, Spanien, Argentinien, der Schweiz und den USA

Die Zuständigkeiten sind dreigeteilt: Das MIC verantwortet das Programm, die Behördenschleuse SUACE stellt die Bescheinigung aus, und die Migrationsbehörde wickelt anschließend die permanente Residenz ab.

Die vier Wege und was sie kosten

Der Investor Pass kennt vier Kategorien mit unterschiedlichen Mindestbeträgen:

KategorieMindestinvestitionBesonderheit
Produktiv70.000 USD (rund 60.000 €)Geschäftsplan mit mindestens fünf formellen Arbeitsplätzen
Tourismus150.000 USD (rund 128.500 €)
Immobilien200.000 USD (rund 171.400 €)
Finanzanlage200.000 USD (rund 171.400 €)

Umgerechnet zu den Referenzkursen von Ende August, 6.010 Gs. je Dollar und 7.013 Gs. je Euro.

Eine Rechnung, die im Zahlenwerk steckt

31,03 Millionen Dollar verteilt auf 140 Bescheinigungen ergeben einen Schnitt von rund 221.600 Dollar je Fall. Das liegt weit über dem Einstiegsbetrag von 70.000 Dollar und deutlich näher an den 200.000 der Immobilien- und Finanzkategorie.

Anders gesagt: Die günstigste Tür wird seltener genutzt, als ihre Popularität in Foren vermuten lässt. Das hat einen Grund, und der steht in der Kategorie selbst.

Warum die 70.000 Dollar die teuerste Zahl im Programm sind

Der produktive Weg verlangt einen Geschäftsplan mit mindestens fünf formellen Arbeitsplätzen. Formell heißt in Paraguay: angemeldet, mit Sozialversicherung, mit Lohnnebenkosten. Was das kostet, rechnen die wenigsten vorher durch.

Zum gesetzlichen Mindestlohn von 3.044.000 Gs. monatlich, gültig seit dem 1. Juli 2026, kommt der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung IPS von 16,5 Prozent. Pro Kopf sind das rund 3,55 Millionen Gs. im Monat, für fünf Stellen also rund 17,7 Millionen Gs. monatlich. Mit dem gesetzlich vorgeschriebenen dreizehnten Gehalt, dem Aguinaldo, ergibt das über das Jahr rund 33.000 Euro allein an Personalkosten.

Das ist eine Untergrenze, gerechnet mit dem Mindestlohn. Wer Fachkräfte braucht, zahlt mehr.

Die Konsequenz: Die Eintrittsinvestition von rund 60.000 Euro ist nach knapp zwei Jahren von der Lohnsumme überholt. Der produktive Weg ist kein günstiges Residenz-Ticket, sondern die Verpflichtung, ein echtes Unternehmen mit echten Angestellten zu führen. Wer das ohnehin vorhat, für den ist es der billigste Einstieg. Wer nur die Residenz will, wählt die falsche Kategorie.

Was daran ehrlich einzuordnen ist

Die Quelle selbst grenzt sauber ab, und das gehört dazu: Die 31 Millionen sind erklärte Investitionen, nicht geprüfte oder abgeschlossene. Und die 1.026 Arbeitsplätze sind projektiert, nicht geschaffen. Zwischen einem genehmigten Geschäftsplan und einer laufenden Lohnbuchhaltung liegt in jedem Land eine erhebliche Strecke.

Belastbar ist damit die Zahl der Bescheinigungen. Alles andere ist eine Absichtserklärung mit Behördenstempel. Das entwertet das Programm nicht, aber es macht aus 31 Millionen Dollar noch keine 31 Millionen Dollar in paraguayischen Unternehmen.

Was das für Auswanderer bedeutet

Erstens, und das ist der wichtigste Punkt: Der Investor Pass ist der einzige verbliebene Direktweg in die permanente Residenz. Für alle anderen gilt der zweistufige Regelweg über die temporäre Residenz, wie er im Leitfaden zur permanenten Residenz beschrieben ist. Ältere Ratgeber nennen hier gelegentlich noch Rentner; das ist überholt.

Zweitens: Die Schweiz unter den Top fünf ist ein Signal. Es sind nicht nur Nachbarländer, die den Weg nutzen. Wer aus dem deutschsprachigen Raum kommt und ohnehin unternehmerisch nach Paraguay schaut, ist damit nicht der Erste.

Drittens: Die Kategorie entscheidet über den Aufwand, nicht über das Ergebnis. Alle vier Wege führen zur permanenten Residenz. Sie unterscheiden sich in dem, was danach an Pflichten bleibt. Die Immobilien- und Finanzwege binden mehr Kapital, aber keine Lohnbuchhaltung. Der produktive Weg ist kapitalschonend und pflichtenreich. Die Zahlen des ersten Halbjahres zeigen, wofür sich Investoren tatsächlich entscheiden.

Viertens: Am Steuersystem ändert das nichts. Das Territorialprinzip der Ley 6380/2019 gilt für Investoren wie für alle anderen. Wer eine paraguayische Gesellschaft betreibt, versteuert deren inländischen Gewinn mit 10 Prozent IRE, Ausschüttungen mit 8 Prozent IDU. Details stehen im Leitfaden zum Investieren und, für den Immobilienweg, im Immobilien-Guide.

Häufige Fragen zum Investor Pass

Reichen 70.000 Dollar für die permanente Residenz?

Als Investitionssumme ja, aber die Kategorie verlangt zusätzlich einen Geschäftsplan mit mindestens fünf formellen Arbeitsplätzen. Die laufenden Personalkosten dafür liegen bei rund 33.000 Euro im Jahr, gerechnet zum Mindestlohn.

Welche Kategorie wird am häufigsten genutzt?

Das Ministerium veröffentlicht keine Aufschlüsselung. Der Durchschnitt von rund 221.600 Dollar je Bescheinigung deutet aber darauf hin, dass die Kategorien mit 200.000 Dollar Mindestbetrag den größeren Teil ausmachen.

Sind die 1.026 Arbeitsplätze bereits entstanden?

Nein. Es handelt sich um projektierte Stellen aus den eingereichten Geschäftsplänen. Geschaffene Arbeitsplätze weist die Statistik nicht aus.

Brauche ich für den Investor Pass zuerst eine temporäre Residenz?

Nein, das ist der Kern des Programms. Der Weg führt über die Investoren-Bescheinigung direkt in die permanente Residenz, ohne die zweijährige Zwischenstufe. Wie das im Vergleich zum Regelweg aussieht, steht im Beitrag als Anleger nach Paraguay.

Hinweis: Dieser Artikel gibt den Stand vom 27. August 2026 wieder und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Mindestbeträge, Kategorien und Verfahren können sich ändern; verbindlich sind die Angaben des Ministeriums für Industrie und Handel sowie der Dirección Nacional de Migraciones. Die Euro-Umrechnungen sind Orientierungswerte zum Kurs von Ende August 2026.

Quellen: Prensa Mercosur vom 26.08.2026 zur Halbjahresbilanz des Investor Pass, La Nación vom 09.08.2026 zu den Kategorien und Mindestbeträgen, Dirección Nacional de Migraciones zum Programm sowie Resolución MIC 0283/2026. Mindestlohn und IPS-Sätze nach paraguayischem Arbeits- und Sozialversicherungsrecht, Stand Juli 2026.

Porträt von Yannick Schroth, Gründer · Paraguay-Auswanderungsberater

Über den Autor

Yannick Schroth

Gründer · Paraguay-Auswanderungsberater

Lebt in Asunción und begleitet deutschsprachige Auswanderer auf dem Weg zu Residenz, Cedula und steueroptimierter Firmenstruktur in Paraguay.

Tags:AktuellInvestierenResidenz

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