Paraguay zieht so viele Menschen an wie nie. Die Dirección Nacional de Migraciones (DNM) verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen Rekord bei den Residenz-Anträgen, und Deutsche gehören zu den häufigsten Nationalitäten.
Update 27.10.2026: Ergänzt um die Zahlen von Januar bis September 2026. Halbjahres- und Quartalszahlen weiter unten bleiben unverändert.
Januar bis September 2026: 49.538 Anträge, mehr als im ganzen Jahr 2025
Von Januar bis September 2026 registrierte Paraguay 49.538 Residenz-Anträge von Ausländern. Das sind laut den Daten der DNM, die das Wirtschaftsportal MarketData am 23. Oktober veröffentlicht hat, 47,5 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2025. Nach neun Monaten liegt 2026 damit schon über dem bisherigen Rekordjahr 2025 mit 47.687 Anträgen. Die Zeitung 5Días stellt die Zahl neben 2019: Damals waren es im ganzen Jahr 24.113 Anträge.
Brasilien stellt laut 5Días weiter den größten Teil der Antragsteller. Eine Aufschlüsselung nach Nationalitäten für die neun Monate hat Migraciones noch nicht veröffentlicht, auch keine neue Zahl für Deutsche. Was die Präsidentschaftswahl im Nachbarland für Paraguay bedeutet, steht in unserer Meldung zur Wahl in Brasilien.
Erstes Halbjahr 2026: 33.243 Anträge, plus 62 Prozent
Von Januar bis Juni 2026 gingen bei der DNM 33.243 Residenz-Anträge von Ausländern ein, nach Angaben der Behörde ein Rekord. Im ersten Halbjahr 2025 waren es 20.567, das Plus liegt bei 62 Prozent. 27.024 Anträge betrafen die temporäre Residenz, 6.219 die permanente. Mit 19.518 Anträgen stellten Brasilianer 59 Prozent aller Verfahren.
Deutsche erhielten im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 1.132 Aufenthaltsgenehmigungen. Im gesamten Jahr 2025 waren es 1.652, im Jahr 2024 noch 1.071. Hält das Tempo an, liegt 2026 klar über dem bisherigen Rekordjahr.
Um den Andrang zu bewältigen, hat Migraciones die Arbeitszeiten verlängert und arbeitet zusätzlich an Wochenenden, um die Bearbeitungszeiten zu verkürzen. Die staatliche Nachrichtenagentur IP meldete Ende Juli knapp 30.000 im ersten Halbjahr erteilte Residenzen.
Erstes Quartal 2026: Anträge plus 85 Prozent
Von Januar bis März 2026 registrierte die DNM 18.071 Residenz-Anträge von Ausländern, ein Plus von 85 Prozent gegenüber den 9.760 Anträgen im gleichen Zeitraum 2025. Aufgeschlüsselt zeigt sich, wohin die Reise geht: Die Anträge auf temporäre Residenz sprangen um 105 Prozent auf 14.995, die auf permanente Residenz um 25 Prozent auf 3.076. Schon 2025 war ein Rekordjahr mit 47.687 Anträgen, ein Zuwachs von über 63 Prozent.
Deutsche auf Platz 3 der Nationalitäten
Von den 14.275 im ersten Quartal ausgestellten Residenzen entfielen 64 Prozent (9.195) auf Brasilianer. Es folgen Argentinier mit 8,4 Prozent (1.205), dann bereits Deutsche mit 4,5 Prozent (651) und Spanier mit 2,6 Prozent (373). Deutschland ist damit die stärkste nicht-südamerikanische Herkunft und die drittgrößte Gruppe insgesamt.
Warum der Andrang, und was die Zahlen verraten
Aufschlussreich ist die Aufteilung der Anträge: Dass die temporären Residenzen mit plus 105 Prozent viel stärker zulegen als die permanenten, bestätigt den regulären Weg. Fast alle starten mit der temporären Residenz und beantragen ab dem 21. Monat, vor Ablauf der 24 Monate, in einem eigenen Antrag den Wechsel in die permanente. Eine direkte permanente Residenz gibt es nur über den neuen Investor Pass, also über eine qualifizierte Investition, oder über eine familiäre Bindung zu paraguayischen Staatsangehörigen. Migraciones selbst führt den Anstieg auf die wirtschaftliche Stabilität, das Wachstum von Landwirtschaft und Industrie und das wettbewerbsfähige Steuersystem zurück.
Was der Antragsrekord für deutsche Auswanderer heißt
Die Zahlen zeigen einen deutlichen Anstieg, auch bei Antragstellern aus Deutschland. Wichtig bleibt aber die ehrliche Einordnung. Eine Residenz allein macht niemanden automatisch steuerfrei. Entscheidend ist echte Steueransässigkeit mit tatsächlichem Lebensmittelpunkt und ein sauberer Wegzug aus Deutschland; die individuelle steuerliche Bewertung gehört in die Hände eines Steuerberaters.
Für den Ablauf selbst gilt genau das, was die Statistik spiegelt: erst die temporäre Residenz, dann ab dem 21. Monat, vor Ablauf der 24 Monate, der eigene Antrag auf die permanente Residenz. Wie das Territorialprinzip dahinter funktioniert, erklärt der Überblick zum Steuersystem. Dass die Stabilität den Zuzug trägt, hatten wir zuletzt in unserer Meldung zum Investment-Grade durch Moody's beschrieben.
Mehr Anträge bedeuten auch mehr Arbeit bei Migraciones. Die längeren Öffnungszeiten sollen die Wartezeiten drücken, eine verbindliche Bearbeitungsdauer nennt die Behörde aber nicht. Wer den Umzug plant, sollte Puffer einrechnen: Bis zur Cédula vergehen nach unserer Erfahrung rund 3 bis 4 Monate, wenn die Biometrie schon bei der ersten Reise erledigt wird, und 5 bis 7 Monate bei zwei Reisen.
Quellen
- ▹Anträge Januar bis September 2026 (Daten der DNM): MarketData vom 23.10.2026 und 5Días vom 22.10.2026
- ▹Halbjahreszahlen 2026 und Maßnahmen von Migraciones: EFE-Meldung bei Infobae vom 25.07.2026
- ▹Erteilte Residenzen im ersten Halbjahr: Agencia IP vom 29.07.2026
- ▹Aufenthaltsgenehmigungen an Deutsche 2024 bis Juni 2026 sowie Quartalszahlen: Dirección Nacional de Migraciones
Hinweis: Die Meldung zu den Residenz-Anträgen ist eine journalistische Einordnung und keine Rechts- oder Steuerberatung. Zahlen und Verfahren können sich ändern.
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Über den Autor
Yannick Schroth
Gründer · Einwanderungshelfer für Paraguay
Begleitet mit seinem Team vor Ort in Asunción deutschsprachige Einwanderer auf dem Weg zu Residenz, Cedula und Firmengründung in Paraguay.






