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Brasilien-Wahl 2026: Lula gewinnt Stichwahl, Paraguay reagiert

Foto: „Itaipu Dam Spillway“ von Gabriel Resende Veiga, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, bearbeitet (skaliert und auf 16:9 zugeschnitten)

Leben & Alltag

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Brasilien-Wahl 2026: Lula gewinnt Stichwahl, Paraguay reagiert

Lula gewinnt die Stichwahl in Brasilien mit 51,79 %. Peña gratuliert, der Itaipú-Vertrag soll bis Jahresende stehen. Was die Wahl für Paraguay bedeutet.

Yannick SchrothYannick Schroth
7 Min. Lesezeit

Luiz Inácio Lula da Silva hat die Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien am 25. Oktober 2026 gewonnen. Er erhielt nach vollständiger Auszählung 51,79 Prozent der gültigen Stimmen, Senator Flávio Bolsonaro kam auf 48,21 Prozent. Lula tritt am 5. Januar 2027 seine vierte Amtszeit an. Paraguays Präsident Santiago Peña gratulierte noch am Wahlabend und will mit Brasília bis Jahresende den neuen Itaipú-Vertrag abschließen.

Für Paraguay ist Brasilien der wichtigste Nachbar: Beide Länder teilen sich das Wasserkraftwerk Itaipú und eine Grenze von 1.367 Kilometern, und Brasilianer stellen die meisten neuen Residenten.

Ergebnis der Brasilien-Wahl 2026 in Zahlen

Wahl in Brasilien 2026Ergebnis
Stichwahl 25. Oktober, Lula (PT)64.256.232 Stimmen, 51,79 %
Stichwahl 25. Oktober, Flávio Bolsonaro (PL)59.826.041 Stimmen, 48,21 %
Wahlbeteiligung in der Stichwahl80,78 %
Erster Wahlgang 4. OktoberFlávio Bolsonaro 47,03 %, Lula 45,16 %
Amtsantritt5. Januar 2027 (Verfassungsänderung EC 111/2021)

Lula lag im ersten Wahlgang rund 2,2 Millionen Stimmen hinter Flávio Bolsonaro, dem Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro. Laut der Nachrichtenagentur EFE hat damit erstmals seit dem Ende der Militärdiktatur der Zweitplatzierte des ersten Wahlgangs die Stichwahl gewonnen. Frühe Meldungen in der Wahlnacht nannten noch 51,74 Prozent für Lula, das war ein Zwischenstand der Auszählung.

Neu ist auch das Datum der Amtseinführung. Bisher begann die Amtszeit am 1. Januar. Seit der Verfassungsänderung EC 111/2021 ist es der 5. Januar, erstmals für die 2026 gewählte Regierung. Die Gouverneure der Bundesstaaten treten am 6. Januar an.

Flávio Bolsonaro erkennt das Wahlergebnis nicht an

Flávio Bolsonaro hat seine Niederlage am Wahlabend nicht anerkannt und eine Annullierung angekündigt. Er begründete das damit, dass ein Richter des Obersten Gerichts (STF) die Öffnung einzelner Wahllokale bis 19 Uhr verlängert hatte. Am 26. Oktober kündigte er stattdessen an, beim Obersten Wahlgericht TSE die Aberkennung der Kandidatur von Lula und Vizepräsident Geraldo Alckmin zu beantragen, wegen Missbrauchs politischer und wirtschaftlicher Macht.

Dass ein solcher Antrag formal eingereicht wurde, war bis zum 27. Oktober nicht bekannt. Über die Gültigkeit der Wahl entscheidet in Brasilien das TSE.

Börse und Real nach der Brasilien-Wahl

Die Finanzmärkte reagierten am Montag nach der Wahl mit starken Kursverlusten. Der Leitindex Ibovespa schloss am 26. Oktober bei 176.608,23 Punkten, ein Minus von 13,88 Prozent und laut dem Wirtschaftsmagazin Exame der größte Tagesverlust seit März 2020. Die Börse B3 hatte den Handel schon zur Eröffnung für 30 Minuten ausgesetzt, weil ein theoretischer Rückgang von mehr als 20 Prozent angezeigt wurde.

Der US-Dollar stieg um 8,21 Prozent auf 5,4027 Real. Für den Grenzhandel mit Brasilien, etwa in Ciudad del Este, ist der Kurs des Real eine wichtige Größe. Wie sich Kurse und Preise in den kommenden Wochen entwickeln, lässt sich aus einem einzelnen Handelstag nicht ablesen.

Peña gratuliert Lula: die Reaktion aus Paraguay

Peña schrieb am Wahlabend auf X: „Felicidades @LulaOficial por tu elección como Presidente del Brasil. Saludo al pueblo brasileño por esta gran jornada democrática.“ Übersetzt: „Glückwunsch zu Ihrer Wahl zum Präsidenten Brasiliens. Ich grüße das brasilianische Volk zu diesem großen demokratischen Tag.“ Laut der Zeitung La Nación fügte er hinzu, Paraguay und Brasilien teilten eine gemeinsame Agenda der Integration und Entwicklung, man werde weiter gemeinsam für das Wohl der Menschen arbeiten.

Im Wahlkampf hatte sich Peña laut EFE für keinen der Kandidaten ausgesprochen. Gratuliert haben auch die früheren Präsidenten Nicanor Duarte Frutos und Fernando Lugo sowie der Vorsitzende der Liberalen Partei PLRA, Alcides Riveros. Eine eigene Erklärung des Außenministeriums lag bis zum 27. Oktober nicht vor.

Offene Themen zwischen Paraguay und Brasilien

Itaipú: Anexo C und der Strompreis ab 2027

Das wichtigste offene Dossier ist die Revision des Anexo C des Itaipú-Vertrags von 1973. Dieser Anhang regelt die finanziellen Grundlagen des gemeinsamen Kraftwerks, darunter den Tarif. Der geltende Tarif von 19,28 US-Dollar je Kilowatt und Monat wurde 2024 für die Jahre 2024 bis 2026 vereinbart und läuft Ende 2026 aus. Nach der damaligen Absprache soll der Tarif ab 2027 nur noch die Betriebskosten abbilden, und Paraguay soll ungenutzte Energie frei auf dem brasilianischen Markt verkaufen dürfen.

Einen neuen Tarif gibt es noch nicht. Peña hatte am 3. Oktober gesagt, die nächste Nachricht, auf die alle warteten, sei die Wahl in Brasilien. Am 26. Oktober sagte er laut La Tribuna, der Weg sei „bastante allanado“ (ziemlich geebnet), Ziel sei ein Abschluss „antes de fin de año“, also vor Jahresende. Eine Bestätigung dieses Zeitplans aus Brasília liegt nicht vor.

Brücken nach Brasilien: Integración und Bioceánica

Die Puente de la Integración zwischen Presidente Franco und Foz do Iguaçu ist seit Dezember 2025 eingeweiht, aber nur eingeschränkt nutzbar. Seit dem 14. September 2026 dürfen Pkw sie nur von 7 bis 13 Uhr nutzen, und nur Einwohner von Ciudad del Este, Presidente Franco, Hernandarias und Foz do Iguaçu mit Grenzpendler-Dokument. Am 26. Oktober forderte Peña Brasilien auf, die Arbeiten an den Zufahrten zu beschleunigen.

Bei der Bioceánica-Brücke zwischen Carmelo Peralta und Porto Murtinho sind beide Ufer seit Juli verbunden, für den Verkehr ist sie aber noch nicht freigegeben. Mitte Oktober liefen Abschlussarbeiten, ein Eröffnungsdatum ist nicht offiziell. Den Hintergrund zum Korridor beschreibt unsere Meldung zur Bioceánica-Brücke nach Brasilien.

EU-Mercosur: Brasilien und Paraguay haben ratifiziert

Beide Länder haben das Handelsabkommen mit der EU im März 2026 parlamentarisch gebilligt, Brasiliens Senat am 4. März, Paraguays Abgeordnetenkammer am 17. März. Der Handelsteil gilt seit dem 1. Mai 2026 vorläufig. Auf EU-Seite stehen das Gutachten des Europäischen Gerichtshofs und die Ratifizierungen der Mitgliedstaaten aus, wie in unserer Meldung zur Lesung im Bundestag beschrieben. Den Mercosur-Vorsitz hat bis Dezember 2026 Uruguay.

Brasilianer in Paraguay: Zuwanderung und Wähler

Laut der Volkszählung 2022 leben in Paraguay 52.031 in Brasilien geborene Menschen. Größte Gruppe der im Ausland Geborenen sind mit 65.035 die Argentinier. Bei den neuen Residenzen liegen dagegen die Brasilianer vorn: Im ersten Halbjahr 2026 erteilte die Migrationsbehörde DNM 29.765 Residenzen, davon 22.628 an Brasilianer, 2.210 an Argentinier und 1.132 an Deutsche.

Die Zahl der Anträge steigt weiter. Von Januar bis September 2026 gingen 49.538 Residenz-Anträge ein, mehr als im ganzen Jahr 2025. Die Zahlen im Detail stehen in unserer Meldung zum Rekord bei den Residenz-Anträgen. Ob die Wahl den Zuzug aus Brasilien verändert, lässt sich aus den bisherigen Zahlen nicht ablesen, sie stammen alle aus der Zeit davor.

Brasilianer mit Wohnsitz in Paraguay konnten in sechs Städten wählen: Asunción, Ciudad del Este, Concepción, Encarnación, Pedro Juan Caballero und Salto del Guairá. Registriert waren rund 9.200 Wahlberechtigte, mehr als die Hälfte davon in Ciudad del Este. Nach Auswertungen der Wahlprotokolle durch brasilianische Medien stimmten in Paraguay rund 87 Prozent für Flávio Bolsonaro, ähnlich wie 2022, als Jair Bolsonaro hier 86,78 Prozent erhielt. Viele in Paraguay lebende Brasilianer wählen allerdings weiter in Brasilien und sind in dieser Zahl nicht enthalten.

Was die Wahl in Brasilien für Einwanderer aus Deutschland bedeutet

An Ihrem Residenzantrag ändert die Wahl nichts. Für Deutsche, Österreicher und Schweizer gilt die Ley 6984/2022 mit dem Verfahren bei Migraciones, unabhängig davon, wer in Brasília regiert. Das Mercosur-Abkommen über die Residenz gilt nur für Staatsangehörige der Mitglieds- und assoziierten Staaten Südamerikas. Wie das Verfahren für Antragsteller aus Europa abläuft, beschreibt unser Ratgeber zur Aufenthaltsgenehmigung in Paraguay.

Bei Migraciones bleibt viel zu tun. Brasilianer stellen den größten Teil der Anträge, und die Behörde hat wegen des Andrangs bereits ihre Arbeitszeiten verlängert. Eine verbindliche Bearbeitungsdauer nennt sie nicht.

Wer über die Grenze nach Brasilien reist, nutzt in Ciudad del Este weiter die Puente de la Amistad. Die neue Puente de la Integración ist für Besucher mit dem Pkw noch nicht freigegeben. Wie das Leben an der Grenze aussieht, zeigt unser Porträt von Ciudad del Este.

Häufige Fragen zur Brasilien-Wahl 2026 und Paraguay

Wer hat die Präsidentschaftswahl in Brasilien 2026 gewonnen?

Luiz Inácio Lula da Silva gewann die Stichwahl am 25. Oktober 2026 mit 51,79 Prozent der gültigen Stimmen gegen Flávio Bolsonaro mit 48,21 Prozent. Im ersten Wahlgang am 4. Oktober hatte Bolsonaro mit 47,03 zu 45,16 Prozent vorn gelegen.

Wann tritt der Wahlsieger in Brasilien sein Amt an?

Am 5. Januar 2027. Nach der Verfassungsänderung EC 111/2021 beginnt die Amtszeit des Präsidenten nicht mehr am 1. Januar. Die 2026 Gewählten sind die ersten, für die das gilt.

Ändert die Wahl in Brasilien etwas an der Residenz in Paraguay?

Nein. Die Residenz richtet sich nach der paraguayischen Ley 6984/2022 und wird von Migraciones erteilt. Für Antragsteller aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bleiben Unterlagen und Ablauf gleich.

Was passiert nach der Brasilien-Wahl mit dem Itaipú-Vertrag?

Die Revision des Anexo C ist offen, der geltende Tarif läuft Ende 2026 aus. Präsident Peña will die Verhandlungen bis Jahresende abschließen. Ein neuer Tarif für 2027 ist noch nicht vereinbart.

Quellen

  • ▹Ergebnis der Stichwahl nach vollständiger Auszählung: Revista Oeste vom 26. Oktober 2026; erster Wahlgang: Exame
  • ▹Glückwunsch Peñas: EFE bei Infobae vom 26. Oktober 2026 und La Nación vom 26. Oktober 2026
  • ▹Börse und Dollar: Exame-Liveblog vom 26. Oktober 2026
  • ▹Haltung Flávio Bolsonaros: Poder360 vom 25. Oktober und O Povo vom 27. Oktober 2026
  • ▹Itaipú: ABC Color vom 3. Oktober, La Tribuna vom 26. und 27. Oktober 2026
  • ▹Brücken: La Nación vom 31. August, Revista Plus vom 14. Oktober 2026
  • ▹Residenzen und Volkszählung: La Nación vom 29. Juli 2026 (Daten der DNM), Última Hora (Censo 2022); Wahllokale im Ausland: TSE

Dieser Beitrag gibt den Stand vom 27. Oktober 2026 wieder. Ob Flávio Bolsonaro das Ergebnis anficht und wann der Itaipú-Tarif für 2027 steht, ist offen. Zitate sind aus dem Spanischen übersetzt. Der Beitrag ersetzt keine Rechts-, Anlage- oder Steuerberatung.

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Porträt von Yannick Schroth, Gründer · Einwanderungshelfer für Paraguay

Über den Autor

Yannick Schroth

Gründer · Einwanderungshelfer für Paraguay

Begleitet mit seinem Team vor Ort in Asunción deutschsprachige Einwanderer auf dem Weg zu Residenz, Cedula und Firmengründung in Paraguay.

Tags:AktuellPolitikWirtschaft

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