Ein paraguayischer Senator hat vorgeschlagen, die Einkommensteuer von 10 auf 14 Prozent und die Unternehmensteuer von 10 auf 15 Prozent anzuheben. Anlass ist der Streit um die Finanzierung des Gesundheitswesens. Die Steuerbehörde hat noch am selben Tag widersprochen. Für Auswanderer ist die Meldung wichtiger als die meisten Tagesnachrichten, weil sie genau die Zahlen betrifft, mit denen Paraguay wirbt.
Was der Senator bei den Steuern in Paraguay vorschlägt
Der Vorschlag stammt von Senator Silvio „Beto" Ovelar (ANR) und fiel am Donnerstag bei einem Treffen zwischen Senatoren, dem Gesundheits- und dem Wirtschaftsminister sowie Vertretern der Ärzteschaft. Thema war die Forderung nach mehr Geld für das Gesundheitssystem und nach höheren Arztgehältern.
Ovelar nannte drei Möglichkeiten:
| Steuer | heute | Vorschlag |
|---|---|---|
| Einkommensteuer (IRP) | 10 % | 14 % |
| Unternehmensteuer (IRE) | 10 % | 15 % |
| Mehrwertsteuer (IVA) | 10 % (ermäßigt 5 %) | Anhebung, Höhe offen |
Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um eine mündliche Anregung in einer Sitzung, nicht um einen eingebrachten Gesetzentwurf. Es gibt keinen Text, keine Nummer und kein Verfahren.
Den Auslöser hatten wir am 25. August beschrieben, als der Ärztestreik im öffentlichen Gesundheitswesen begann. Der Streik läuft weiter, und er hat die Finanzierungsfrage von der Fach- auf die politische Ebene gehoben.
Die Steuerbehörde DNIT weist den Vorschlag zurück
Die Antwort kam schnell und deutlich. Óscar Orué, Leiter der Nationalen Direktion für Steuereinnahmen (DNIT), erklärte, die Position der Regierung sei, die allgemeinen Steuern nicht zu erhöhen, und daran halte man fest.
Stattdessen verwies er auf zwei andere Vorhaben, mit denen zusätzliche Einnahmen erschlossen werden sollen: eines zu Elektrofahrzeugen, eines zur Begrenzung von Unternehmensrücklagen. Beides zielt auf einzelne Bereiche, nicht auf die allgemeinen Sätze.
Damit stehen sich eine Anregung aus dem Senat und die erklärte Linie der Exekutive gegenüber. Das ist kein Patt, sondern das übliche Bild am Anfang einer Haushaltsdebatte.
Warum der Druck auf Paraguays Haushalt wächst
Der Vorschlag kommt nicht aus dem Nichts. Die Zahlen dahinter sind unangenehm.
Die Steuereinnahmen wuchsen im ersten Halbjahr 2026 um 2,4 Prozent, während die offizielle Prognose bei 8,5 Prozent lag. Wir hatten diese Lücke am 26. August ausführlicher beschrieben, als das Wirtschaftsministerium die Wachstumsprognose auf 4,5 Prozent anhob und die Einnahmen trotzdem hinterherhinkten.
Die Haushaltsplanung des Ministeriums sieht so aus:
| Jahr | Defizit (Anteil am BIP) |
|---|---|
| 2026 | 3,2 % |
| 2027 | 3,9 % (Prognose) |
| 2028 | 1,5 % (Ziel nach dem Fiskalverantwortungsgesetz) |
Der Ökonom Wildo González rechnet vor, was der Sprung von 3,9 auf 1,5 Prozent bedeutet: eine Korrektur von 2,4 Prozentpunkten in einem einzigen Jahr, das entspricht rund 1,5 Milliarden US-Dollar.
Wo das Geld abfließt, zeigt ein Beispiel des Ökonomen Jorge Garicoche von Mentu. Die Caja Fiscal, die staatliche Pensionskasse, nahm im Juli 367.653 Millionen Guaraní ein und gab 545.388 Millionen aus. Das sind allein in diesem Monat 177.735 Millionen Guaraní Fehlbetrag, etwa 30 Millionen US-Dollar. Garicoche nennt drei Baustellen, die Paraguay noch in diesem Jahr angehen müsse: die öffentlichen Finanzen, das Rentensystem und das, was er Humankapital nennt, also Bildung und Gesundheit.
Was am Territorialprinzip in Paraguay nicht zur Debatte steht
Hier liegt der Punkt, auf den es für deutschsprachige Leser ankommt, und er wird in der Aufregung leicht übersehen.
Der Vorschlag betrifft Steuersätze, nicht die Bemessungsgrundlage. Paraguay besteuert nach dem Territorialprinzip nur Einkommen, das im Land selbst entsteht. Einkünfte aus dem Ausland fallen nicht unter einen niedrigen Satz, sondern gar nicht erst in die Steuerbasis.
Ein Satz von 14 statt 10 Prozent würde daran nichts ändern. Vier Prozentpunkte mehr auf null bleiben null. Weder Ovelar noch die Regierung haben das Territorialprinzip infrage gestellt, in keiner der Wortmeldungen zu diesem Treffen.
Wie das System aufgebaut ist, steht im Überblick zum Steuersystem.
Wen eine Steuererhöhung in Paraguay treffen würde
Sollte aus dem Vorschlag doch ein Gesetz werden, wären drei Gruppen betroffen:
Wer in Paraguay arbeitet und dort verdient. Die IRP greift auf Einkommen aus paraguayischer Quelle oberhalb der Freibeträge. Angestellte vor Ort und lokal tätige Selbständige würden die vier Prozentpunkte spüren.
Wer eine paraguayische Firma führt. Die IRE von 10 auf 15 Prozent wäre die spürbarste der drei Änderungen, weil sie die Gewinne inländischer Gesellschaften trifft.
Alle beim Konsum. Eine höhere IVA wirkt unabhängig davon, woher das Einkommen stammt, und damit auch auf Auswanderer, die ausschließlich Auslandseinkünfte beziehen.
Nicht betroffen wäre der klassische Fall: Wohnsitz und Steueransässigkeit in Paraguay, Einkünfte aus dem Ausland, keine lokale Erwerbstätigkeit.
Wie wahrscheinlich die Steuererhöhung in Paraguay ist
Kurzfristig gering, mittelfristig offen. Gegen eine schnelle Umsetzung sprechen die ausdrückliche Ablehnung der Regierung, das Fehlen eines Gesetzentwurfs und der Umstand, dass Paraguay seinen niedrigen Steuersatz als Standortargument pflegt.
Dagegen steht die Arithmetik. Ein Defizit von 3,9 Prozent im kommenden Jahr und ein gesetzlich verankertes Ziel von 1,5 Prozent im übernächsten lassen sich nicht allein durch Sparen und Elektrofahrzeuge schließen. Wer eine Auswanderung plant, sollte die Debatte im Blick behalten, ohne sie zu dramatisieren.
Zum bisherigen Verlauf der Reformdiskussion haben wir eine eigene Übersicht zur Steuerreform.
Häufige Fragen zur Steuerdebatte in Paraguay
Ist mein Auslandseinkommen von der Steuerdebatte in Paraguay betroffen?
Nach dem jetzigen Stand nicht. Der Vorschlag ändert Sätze, nicht das Territorialprinzip. Auslandseinkünfte sind in Paraguay nicht Teil der Bemessungsgrundlage, ein höherer Satz greift daher nicht auf sie zu.
Wann könnte eine Steuererhöhung in Paraguay in Kraft treten?
Derzeit gar nicht, weil kein Gesetzentwurf existiert. Selbst wenn einer eingebracht würde, müsste er den Gesetzgebungsweg durchlaufen. Steueränderungen in Paraguay gelten üblicherweise erst ab dem folgenden Steuerjahr.
Was passiert mit der IRE, wenn ich eine Firma in Paraguay habe?
Für bestehende Gesellschaften bleibt es vorerst bei 10 Prozent. Der Vorschlag von 15 Prozent ist nicht beschlossen. Wer eine Firmengründung plant, sollte die Debatte in der Kalkulation als Möglichkeit führen, nicht als Tatsache.
Ändert sich durch die Debatte etwas an meiner Residenz in Paraguay?
Nein. Aufenthaltsrecht und Steuerrecht sind in Paraguay getrennte Verfahren. Die Steuerdebatte berührt weder die temporäre noch die permanente Residenz und auch nicht die Anforderungen der Migrationsbehörde.
Hinweis: Dieser Artikel gibt den Stand vom 29. August 2026 wieder und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Es handelt sich um einen politischen Vorschlag ohne Gesetzentwurf; die Rechtslage ist unverändert. Verbindlich sind die Veröffentlichungen der Dirección Nacional de Ingresos Tributarios und des Finanzministeriums.
Quellen: ABC Color vom 28.08.2026 zum Vorschlag von Senator Ovelar und zur Reaktion der DNIT sowie zu den drei Prioritäten nach Einschätzung von Jorge Garicoche (Mentu), Prensa Mercosur vom 25.08.2026 zu den Defizitprognosen des Wirtschaftsministeriums und der Rechnung von Wildo González. Die Zahlen zu den Steuereinnahmen und zur Jahresprognose decken sich mit unserer Meldung vom 26.08.2026.

Über den Autor
Yannick Schroth
Gründer · Paraguay-Auswanderungsberater
Lebt in Asunción und begleitet deutschsprachige Auswanderer auf dem Weg zu Residenz, Cedula und steueroptimierter Firmenstruktur in Paraguay.





