Paraguay zieht nach drei Jahren der Regierung von Präsident Santiago Peña eine Wirtschaftsbilanz, und sie fällt zwiespältig aus. Auf der einen Seite stehen kräftiges Wachstum, sinkende Inflation und ein zweites Investment-Grade-Rating. Auf der anderen Seite mahnen frühere Finanzminister mehr Ausgabendisziplin an, damit die Stabilität von Dauer ist. Für Auswanderer und Investoren lohnt der genaue Blick, denn beide Seiten gehören zum Standortbild.
Was die Bilanz zeigt
Die Wachstumszahlen sind robust. Nach 4,7 Prozent in den Jahren 2023 und 2024 legte das Bruttoinlandsprodukt 2025 um 6,6 Prozent zu. Für 2026 werden rund 4,2 bis 4,5 Prozent erwartet (Projektion der Zentralbank 4,2 Prozent, zuletzt auf 4,5 Prozent angehoben). Die Inflation ist deutlich zurückgekommen: Im Juli 2026 lag sie bei 1,6 Prozent im Jahresvergleich, nach 3,1 Prozent 2025 und 8,1 Prozent 2022.
Auch sozial hat sich einiges bewegt. Die Armutsquote sank von 22,7 Prozent (2023) über 19,6 Prozent (2024) auf 16 Prozent (2025). Nach offiziellen Angaben entstanden über 242.000 neue Arbeitsplätze, das Ziel für die gesamte Amtszeit liegt bei 500.000. Und mit dem zweiten Investment-Grade-Rating hat sich Paraguays Profil bei internationalen Investoren weiter gefestigt.
Die Mahnungen der früheren Finanzminister
Mehrere ehemalige Ressortchefs melden sich zu Wort und warnen davor, die erreichte Stabilität aufs Spiel zu setzen. Manuel Ferreira, früher Finanzminister, verweist auf das rasche Wachstum der Konsumkredite und rät, die Basis makroökonomischer Stabilität zu wahren. Benigno López, ebenfalls ehemaliger Finanzminister, betont fiskalische Disziplin und die Frage, wie die öffentlichen Ausgaben finanziert werden, ohne die Nachhaltigkeit der Staatskonten zu belasten. César Barreto kritisiert den Anstieg der Staatsausgaben und gibt zu bedenken, dass ein Teil des Wachstums ohne Korrektur struktureller Ungleichgewichte nicht dauerhaft tragfähig sein könnte.
Auch aus der Wirtschaft kommen nüchterne Töne. Osvaldo Serafini, Präsident des Bankenverbands Asoban, warnt davor, das Investment-Grade als Freifahrtschein in den Wohlstand zu verstehen. Konkrete Defizit- oder Schuldenquoten nennen die Kritiker nicht, es geht ihnen um Kurs und Sorgfalt, nicht um ein akutes Krisenszenario.
Was das für Auswanderer und Investoren bedeutet
Für die Standortfrage bleibt das Fundament stark: solides Wachstum, niedrige Inflation und ein zweites Investment-Grade sprechen für Verlässlichkeit. Wer den Rahmen breiter einordnen möchte, findet die Grundlagen im Ausblick zur Wirtschaft und im Überblick zum Investieren in Paraguay. Die fiskalische Debatte ist dabei kein Warnsignal gegen Paraguay, sondern ein normaler Reifeprozess einer wachsenden Volkswirtschaft, den man im Blick behält.
Wichtig für Privatpersonen: Am steuerlichen Kern ändert diese Debatte nichts. Maßgeblich für Sie bleibt Ihre tatsächliche Steueransässigkeit, und das paraguayische Territorialprinzip gilt unabhängig von der Haushaltspolitik. Die Einordnung dazu finden Sie im Leitfaden zum Steuersystem.
Ehrlich eingeordnet
Die Bilanz ist gut, aber sie hat Kanten. Trotz zuletzt niedriger Inflation summiert sich die Teuerung über drei Jahre auf rund 12 Prozent, bei Lebensmitteln sogar auf etwa 25 Prozent, mit Rindfleisch bei rund plus 40 Prozent. Die Armut ist gesunken, dennoch bleiben etwa 985.000 Menschen betroffen, und die Informalität am Arbeitsmarkt liegt bei 61,6 Prozent. Genau deshalb ist die Mahnung der Ex-Minister berechtigt: Wachstum und gute Ratings sind eine Chance, kein Selbstläufer. Für die eigene Planung zählt am Ende nicht die Schlagzeile, sondern die individuelle Ausgangslage.
Häufige Fragen
Wie stark wächst Paraguays Wirtschaft aktuell?
Das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2025 um 6,6 Prozent. Für 2026 werden rund 4,2 bis 4,5 Prozent erwartet. Damit zählt Paraguay weiter zu den dynamischeren Volkswirtschaften der Region.
Warum warnen frühere Finanzminister?
Sie mahnen fiskalische Disziplin an: Es geht um das Wachstum der Staatsausgaben und der Konsumkredite und um die Frage, wie neue Ausgaben finanziert werden, ohne die Nachhaltigkeit der Staatskonten zu gefährden. Ein akutes Krisenszenario zeichnen sie nicht.
Ändert das etwas an der Steuerlage für Auswanderer?
Nein. Für Privatpersonen bleibt die tatsächliche Steueransässigkeit maßgeblich, und das Territorialprinzip gilt unabhängig von der Haushaltspolitik. Prüfen Sie Ihren Fall am besten individuell.
Hinweis: Dieser Artikel ist eine journalistische Einordnung und ersetzt keine individuelle Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung. Die Kennzahlen stützen sich auf Angaben von ABC Color, Prensa Mercosur und weiteren Quellen (Stand 14. August 2026); wirtschaftliche Projektionen können sich ändern.
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Über den Autor
Yannick Schroth
Gründer · Paraguay-Auswanderungsberater
Lebt in Asunción und begleitet deutschsprachige Auswanderer auf dem Weg zu Residenz, Cedula und steueroptimierter Firmenstruktur in Paraguay.





