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Mercosur-Abkommen der Schweiz: Was das Ja für Paraguay bedeutet
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Mercosur-Abkommen der Schweiz: Was das Ja für Paraguay bedeutet

Beide Schweizer Kammern sagen Ja zum Mercosur-Freihandel, ein Referendum ist angekündigt. In Asunción empfiehlt der Senatsausschuss die Ratifizierung.

Yannick SchrothYannick Schroth
5 Min. Lesezeit

Das Schweizer Parlament hat dem Freihandelsabkommen zwischen den EFTA-Staaten und dem Mercosur zugestimmt. Der Nationalrat sagte am 16. September 2026 mit 118 zu 66 Stimmen bei 10 Enthaltungen Ja. Der Ständerat hatte am 14. September mit 35 zu 7 Stimmen bei 3 Enthaltungen zugestimmt und am 17. September die letzte Differenz ausgeräumt. Am selben 16. September empfahl in Asunción der Außenausschuss des paraguayischen Senats einstimmig, das Abkommen zu ratifizieren.

Unterzeichnet wurde der Vertrag am 16. September 2025 in Rio de Janeiro. Auf der einen Seite stehen die vier EFTA-Staaten Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein, auf der anderen Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Die Freihandelszone umfasst knapp 300 Millionen Menschen.

Was das Schweizer Parlament zum Mercosur-Abkommen beschlossen hat

Im Juni hatte der Nationalrat das Geschäft noch abgelehnt. Die Mehrheit kam jetzt mit einem Begleitpaket zustande: 517 Millionen Franken über sechs Jahre für die Schweizer Landwirtschaft und zusätzlich 25 Millionen Franken für den Schutz des Amazonas-Regenwaldes. Offen war zuletzt nur noch der Amazonas-Betrag, seit dem 17. September sind sich die Kammern einig.

Laut swissinfo bringt das Abkommen Zollerleichterungen für rund 98 Prozent der Schweizer Exporte in den Mercosur und erspart Schweizer Firmen rund 155 Millionen Franken Zoll pro Jahr. Formell fehlt noch die Schlussabstimmung beider Kammern. Sie findet üblicherweise am letzten Tag der Session statt, und die Herbstsession läuft bis zum 2. Oktober 2026.

Das angekündigte Referendum

Direkt nach der Abstimmung im Nationalrat kündigte die „Allianz gegen Regenwald-Abholzung" ein Referendum an. Ihre Kritik richtet sich gegen Abholzung und Zwangsarbeit in den Lieferketten. Kommen innerhalb von 100 Tagen nach der amtlichen Veröffentlichung 50.000 gültige Unterschriften zusammen, entscheiden die Schweizer Stimmberechtigten an der Urne.

Was im Senat in Asunción passiert ist

Die Comisión de Relaciones Exteriores y Asuntos Internacionales des Senats, geleitet von Senator Antonio Barrios, hat am 16. September einen zustimmenden Bericht beschlossen, einstimmig unter den anwesenden Mitgliedern. Industrie- und Handelsminister Marco Riquelme warb dort für den Vertrag: „Este es un acuerdo que abre la posibilidad de comerciar libremente, sin aranceles", also ein Abkommen, das freien Handel ohne Zölle ermögliche.

Senator Walter Kobylanski nannte den Partner, auf den Paraguay am meisten setzt, und das ist nicht die Schweiz: „El país que más nos interesa es Noruega", Norwegen also. Als Exportchancen nennt die Zeitung La Nación Nahrungsmittel, nachhaltige Produkte, agroindustrielle Güter und höher verarbeitete Industrieware. Als Nächstes stimmt das Plenum des Senats ab, danach die Abgeordnetenkammer. Einen Termin gibt es noch nicht.

Warum Paraguay nicht auf die Schweiz warten muss

Das Abkommen tritt nicht erst in Kraft, wenn alle acht Staaten ratifiziert haben. Es gilt zwischen einem EFTA-Staat und einem Mercosur-Staat, sobald beide ihre Ratifikationsurkunden beim Depositar hinterlegt haben, und das ist Norwegen. Ratifizieren etwa Paraguay und Norwegen früher, gilt der Vertrag zwischen diesen beiden, während die Schweiz womöglich noch über das Referendum abstimmt.

Was das für deutschsprachige Auswanderer bedeutet

Für Deutsche und Österreicher gilt dieses Abkommen nicht. Deutschland und Österreich gehören zur EU, nicht zur EFTA. Für sie ist das EU-Mercosur-Abkommen maßgeblich, das im Januar 2026 in Asunción unterzeichnet wurde.

Für Schweizer und Liechtensteiner ändert sich am Weg nach Paraguay nichts. Das Abkommen regelt Zölle und Handel, nicht Aufenthalt oder Steuern. Residenz und Cédula laufen unverändert über die Ley 6984/2022. Wie Auslandseinkommen nach dem Territorialprinzip behandelt wird, steht in unseren Leitfäden für Schweizer und für Liechtensteiner.

Für Unternehmer mit Handelsbezug wird der Vertrag konkret, sobald er zwischen Paraguay und dem jeweiligen EFTA-Staat in Kraft ist. Wer aus Paraguay Lebensmittel oder Agrarprodukte in die Schweiz oder nach Norwegen liefern will oder Schweizer Maschinen einführt, sollte die Ursprungsregeln des Abkommens früh prüfen. Wie eine paraguayische Gesellschaft dafür aufgesetzt wird, beschreibt unser Leitfaden zur Firmengründung.

Häufige Fragen

Gilt das Mercosur-EFTA-Abkommen auch für Deutschland?

Nein. Die EFTA besteht aus der Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein. Für Deutschland und Österreich ist das separate EU-Mercosur-Abkommen maßgeblich.

Ab wann gilt das Abkommen zwischen Paraguay und der Schweiz?

Erst wenn beide Länder ratifiziert und ihre Urkunden in Norwegen hinterlegt haben. In der Schweiz fehlen die Schlussabstimmung und gegebenenfalls die Volksabstimmung, in Paraguay die Abstimmungen im Senatsplenum und in der Abgeordnetenkammer.

Ändert das Abkommen etwas an Residenz oder Steuern in Paraguay?

Nein. Es regelt den Handel mit Waren und Dienstleistungen, Investitionen und verwandte Fragen. Aufenthaltsrecht und Einkommensteuer sind nicht Teil des Vertrags.

Quellen

Parlament der Schweiz, Geschäft 26.033 „Freihandelsabkommen zwischen den EFTA-Staaten und Mercosur. Genehmigung", mit den Abstimmungen vom 14., 16. und 17. September 2026. Senado de Paraguay, Mitteilung des Außenausschusses vom 16. September 2026. La Nación (Asunción) vom 16. September 2026 zu den Exportchancen. swissinfo vom 16. September 2026 zu Zollersparnis, Exportanteil und Inkrafttreten. EFTA, gemeinsames Kommuniqué zur Unterzeichnung vom 16. September 2025.

Dieser Beitrag gibt den Stand vom 21. September 2026 wieder. Die Schlussabstimmung in der Schweiz und die Abstimmungen im paraguayischen Kongress stehen aus; ob ein Referendum zustande kommt, entscheidet sich erst nach der Unterschriftensammlung. Er ersetzt keine Zoll- oder Rechtsberatung.

Sie planen, von Paraguay aus mit der Schweiz oder Norwegen zu handeln? Im kostenlosen Erstgespräch klären wir mit Ihnen Residenz, Cédula und die passende Firmenform, damit Sie startklar sind, wenn das Abkommen gilt.

Porträt von Yannick Schroth, Gründer · Einwanderungshelfer für Paraguay

Über den Autor

Yannick Schroth

Gründer · Einwanderungshelfer für Paraguay

Lebt in Asunción und begleitet deutschsprachige Auswanderer auf dem Weg zu Residenz, Cedula und Firmengründung in Paraguay.

Tags:AktuellWirtschaftSchweiz

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