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Krypto-Farmen wollen Paraguays Billigstrom bis 2037
Leben & Alltag

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Krypto-Farmen wollen Paraguays Billigstrom bis 2037

Die Verträge laufen Ende 2027 aus, die Konzerne wollen zehn Jahre mehr zum Vorzugstarif. Ein Energieexperte rechnet vor, warum ab 2028 ein Engpass droht.

Yannick SchrothYannick Schroth
7 Min. Lesezeit

Kryptominer und KI-Rechenzentren in Paraguay wollen ihre Stromverträge mit dem Staatsversorger ANDE bis 2037 verlängern. Die geltenden Verträge laufen am 31. Dezember 2027 aus, und die ANDE nennt dieses Datum ausdrücklich unverlängerbar. Der Energieexperte Ricardo Canese hat die Forderung durchgerechnet und kommt zu einem Ergebnis, das jeden betrifft, der hier eine Stromrechnung bezahlt.

Wir haben im August über die andere Seite berichtet: günstiger Ökostrom lockt Rechenzentren nach Paraguay. Das war zutreffend und ist es weiterhin. Heute geht es um den Preis dieser Ansiedlung.

Was die Unternehmen fordern

Die Firmen des Grupo de Consumo Intensivo Especial wollen zehn zusätzliche Jahre zum bisherigen Vorzugstarif. Wortführer ist HIVE, das heute 300 Megawatt in zwei Anlagen kontrahiert hat und 250 Menschen beschäftigt.

Gabriel Lamas, Operations-Chef von HIVE in Paraguay, nennt das Ziel offen: Verträge über mindestens zehn Jahre und ein Ausbau auf 1.000 Megawatt, den das Unternehmen nach eigener Aussage in 18 Monaten bauen könnte. Begründung: Ohne planbare Vertragslaufzeiten bekomme man kein Kapital.

Die Tarifrechnung

PostenWert
Aktueller Tarif der Elektrointensiven44 US-Dollar je MWh
Angebot des Wettbewerbers Imperium70 US-Dollar je MWh
Technischer Tarif nach Decreto 7551/201780 US-Dollar je MWh oder mehr
Differenz als rechnerische Subvention26 US-Dollar je MWh

Auf die derzeit kontrahierten 1.300 Megawatt bei 8.400 Betriebsstunden im Jahr hochgerechnet, ergibt das nach Caneses Rechnung eine Subvention von 284 Millionen US-Dollar pro Jahr.

Das Angebot von Imperium über 70 Dollar hat die Regierung nach Darstellung von ABC Color weder angenommen noch abgelehnt. Es liegt seit Wochen unentschieden.

Der Vergleich, der die Debatte trägt

Canese setzt die Beschäftigung ins Verhältnis zur Leistung:

  • HIVE: 250 Arbeitsplätze auf 300 Megawatt, also 0,83 Arbeitsplätze je Megawatt
  • Landesdurchschnitt aller Unternehmen: 721 Arbeitsplätze je Megawatt

Das sind 0,12 Prozent des Durchschnitts, oder anders gesagt das 865-Fache an Strom je geschaffenem Arbeitsplatz. Diese Zahl ist der Kern der Kritik: Nicht ob die Ansiedlung Geld bringt, sondern was das Land für jedes vergebene Megawatt bekommt.

Warum ab 2028 ein Engpass droht

Hier wird es für Auswanderer konkret.

Aktuell kontrahieren die Elektrointensiven 1.300 Megawatt. Offene Anträge liegen über weitere 6.300 Megawatt vor, das bestätigt ANDE-Chef Miguel Báez. Die für Paraguay verfügbare Leistung aus Itaipú beträgt 6.067 Megawatt, und die muss auch für alle übrigen Unternehmen und sämtliche Haushalte reichen.

Im ersten Quartal 2026 verbrauchte Paraguay 41 Prozent der Energie aus Itaipú und Yacyretá. Die Stromnachfrage wächst 2026 um 18,3 Prozent, im Schnitt der letzten drei Jahre um 14,4 Prozent. Canese rechnet daraus hoch: Im ersten Quartal 2028 bräuchte Paraguay 53,6 Prozent der binationalen Energie. Vertraglich zustehen tun dem Land 50 Prozent.

Ab diesem Punkt müsste importiert werden, und zwar zu Weltmarktpreisen statt zu Wasserkraftkosten. Ohne die Elektrointensiven, so Canese, bliebe billiger Wasserkraftstrom bis 2040 möglich.

Was die Gegenseite anführt

Der Fairness halber gehört die Position der Unternehmen dazu, und sie ist nicht unsinnig.

HIVE argumentiert, der Verbrauch konkurriere nicht mit dem übrigen System, weil die Anlagen moduliert laufen: Die ANDE schaltet sie in den Spitzenzeiten der Haushalts- und Industrienachfrage ab. „Wir konkurrieren mit niemandem um die Energie", sagt Lamas. Nach Unternehmensangaben zahlt HIVE der ANDE in diesem Jahr 140 Millionen US-Dollar allein für Energie. Imperium erklärte, man suche keine Vorzugsbehandlung und sei zu einer strengen Prüfung bereit.

Der Einwand trifft die Leistungsfrage, nicht die Energiefrage. Modulierter Betrieb hilft an Spitzentagen. Er ändert nichts daran, dass die Gesamtmenge aus zwei Kraftwerken endlich ist.

Was das für Auswanderer bedeutet

Kurzfristig nichts. Bis Ende 2027 gelten die bestehenden Verträge, und die Haushaltstarife sind von der Debatte nicht berührt. Wer jetzt herzieht, rechnet mit den heutigen Stromkosten, die wir in der Aufstellung zu Nebenkosten beziffert haben.

Mittelfristig ist es eine der wenigen echten Unbekannten. Paraguays niedrige Energiekosten sind ein Standortargument, das in praktisch jeder Auswanderer-Diskussion vorkommt. Sollte das Land ab 2028 zukaufen müssen, steht dieses Argument zur Disposition, und zwar für Privathaushalte genauso wie für Unternehmen.

Was Sie beobachten sollten: die Entscheidung über die Vertragsverlängerung. Sie fällt in der Regierung Peña, und dort gibt es widersprüchliche Signale. Die ANDE nennt den 31. Dezember 2027 unverlängerbar. Präsident Peña hat im Januar und April Dekrete erlassen, die den Elektrointensiven Vorzugstarife über 15 Jahre in Aussicht stellten. Im Mai kam ein Abkommen mit Taiwan über 1.000 Megawatt dazu, am 13. August startete der neue Energie-Regulierer mit drei von Peña benannten Direktoren, deren Amtszeit bis 2032 läuft.

Häufige Fragen

Steigen jetzt meine Stromkosten in Paraguay?

Nein. Die Debatte betrifft Sondertarife für Großverbraucher, nicht die Haushaltstarife. Eine Wirkung auf Privathaushalte wäre erst denkbar, wenn Paraguay tatsächlich Energie importieren müsste.

Ist Paraguays Strom wirklich knapp?

Nicht heute. Das Land deckt seinen Bedarf aus Wasserkraft und exportiert Überschüsse. Das Problem ist die Geschwindigkeit: Bei 18,3 Prozent Nachfragewachstum im Jahr ist die eigene Vertragsquote von 50 Prozent der binationalen Energie nach dieser Rechnung Anfang 2028 erreicht.

Was passiert am 31. Dezember 2027?

An diesem Tag laufen die Verträge des Grupo de Consumo Intensivo Especial aus. Die ANDE bezeichnet das Datum als unverlängerbar, die betroffenen Unternehmen wollen bis 2037 verlängern. Entschieden ist nichts.

Quellen

ABC Color vom 3. September 2026, Analyse des Energieexperten Ricardo Canese, Autorin Silvana Bogarín; darin Angaben von HIVE (Gabriel Lamas), Imperium und ANDE-Präsident Miguel Báez. Tarifgrundlage Decreto 7551/2017.

Diese Meldung fasst den Stand vom 3. September 2026 zusammen. Die Zahlen zu Subvention und Engpass stammen aus der Analyse von Ricardo Canese und sind eine Prognose, keine amtliche Feststellung.

Sie planen mit Paraguays Energiekosten? Im kostenlosen Erstgespräch ordnen wir ein, welche Standortargumente belastbar sind und welche an politischen Entscheidungen hängen.

Porträt von Yannick Schroth, Gründer · Einwanderungshelfer für Paraguay

Über den Autor

Yannick Schroth

Gründer · Einwanderungshelfer für Paraguay

Lebt in Asunción und begleitet deutschsprachige Auswanderer auf dem Weg zu Residenz, Cedula und Firmengründung in Paraguay.

Tags:AktuellWirtschaftEnergie

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