Paraguays größter Industrieverband hat am 1. September Steuererhöhungen kategorisch zurückgewiesen. Die Unión Industrial Paraguaya (UIP) erklärte in einer Mitteilung, das Problem sei nicht zu wenig Einnahme, sondern ineffizientes Ausgeben. Am selben Tag legte die Steuerbehörde DNIT ihre Zahlen bis August vor: Die Zolleinnahmen liegen 9,8 Prozent unter dem Vorjahr.
Damit hat die Debatte, die vorige Woche mit Vorschlägen aus der Politik begann, eine dritte Stimme. Nach den Ökonomen und der Regierung meldet sich jetzt der Privatsektor, und zwar deutlich.
Was die UIP sagt
Der Verband nennt die wiederkehrenden Vorschläge zur Anhebung der Steuerlast unzulässig, solange es keine überprüfbaren Anzeichen für eine Straffung der Staatsverwaltung gebe. Der Kernsatz der Mitteilung: „Das Problem ist die Ausgabe, nicht die Investition."
Der Staat habe weder eine steuerliche noch eine moralische Rechtfertigung, dem Privatsektor neue Opfer abzuverlangen, bevor er die Effizienzzusagen einlöse, die aufeinanderfolgende Regierungen gegeben hätten. Die UIP verweist darauf, dass seit der Steuerreform von 2003 Abkommen, Reden und Versprechen zu einer effizienteren Verwaltung aufeinandergefolgt seien, die Umsetzung aber ausbleibe.
Präsident des Verbands ist Enrique Duarte. Konkrete Gesetzesvorhaben nennt die Mitteilung nicht. Sie hält aber fest, dass die UIP keinen Vorschlag mittragen wird, der Steuern erhöht, ohne dass vorher die Ausgabenseite grundlegend reformiert wurde. Öffentliche Mittel seien dem „schlechten Ausgeben" ausgesetzt gewesen, das Land dadurch in eine „Risikozone" bei der Tragfähigkeit der Staatsfinanzen geraten.
Die Cámara de Anunciantes del Paraguay (CAP) hatte sich am selben Tag ähnlich positioniert. Sie fordert, der Staat müsse starre Ausgaben, Subventionen, Privilegien und das Defizit der Caja Fiscal prüfen, bevor er mehr von Unternehmen und Steuerzahlern verlange. Beide Verbände verweisen auf den zuletzt gescheiterten Versuch, die Caja Fiscal zu reformieren.
Auslöser der aktuellen Zuspitzung ist die Krise im Gesundheitswesen: Ärztinnen und Ärzte fordern mehr Mittel für Material und Gehälter.
Die Zahlen, um die gestritten wird
Der DNIT-Bericht vom Dienstag zeigt zwei gegenläufige Bewegungen.
Zwischen Januar und August 2026 nahm die Behörde 28,9 Billionen Guaraní ein, ein Plus von 2,1 Prozent gegenüber demselben Zeitraum 2025. In absoluten Zahlen sind das 595.991 Millionen Guaraní mehr. Gerechnet mit dem Kurs, der sich aus den August-Angaben der DNIT ergibt, entspricht das rund 4,9 Milliarden US-Dollar.
Hinter diesem schwachen Plus stehen zwei sehr unterschiedliche Komponenten:
| Komponente | Jan–Aug 2026 | Veränderung |
|---|---|---|
| Interne Steuern | 18,3 Bio. Guaraní | +10,5 % |
| Zölle und Einfuhrabgaben | 10,5 Bio. Guaraní | −9,8 % |
| Gesamt | 28,9 Bio. Guaraní | +2,1 % |
Der August allein bestätigt das Muster. Die DNIT nahm 3,11 Billionen Guaraní ein, nach eigener Umrechnung 527,8 Millionen US-Dollar, ein Plus von 2,4 Prozent oder 72.587 Millionen Guaraní. Getragen wurde es ausschließlich von den internen Steuern mit 1,76 Billionen Guaraní und plus 9,3 Prozent. Die Zollverwaltung kam auf 1,49 Billionen Guaraní und damit 3,5 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.
Den Zuwachs bei den internen Steuern führt die Behörde vor allem auf die Mehrwertsteuer zurück, konkret aus Handel, Strom und Wasser, Unternehmensdienstleistungen, haushaltsnahen Dienstleistungen, Fleischproduktion, Bau sowie Telekommunikation und Information.
Warum der Einbruch beim Zoll kein Konjunktureinbruch ist
Dieser Punkt geht in Schlagzeilen leicht unter, verändert aber die Bewertung.
Die DNIT führt den Rückgang der Zolleinnahmen auf die Aufwertung des Guaraní gegenüber dem Dollar zurück, die im August 19,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat betrug. Diese Kursbewegung senkte die in Guaraní ausgedrückte Bemessungsgrundlage um 5,4 Prozent.
Entscheidend ist die Gegenprobe, die die Behörde selbst zieht: In Dollar gerechnet schrumpfte dieselbe Bemessungsgrundlage nur um 1,9 Prozent. Der Ausfall stammt also überwiegend aus dem Wechselkurs und nicht aus weniger Handel. Das schwächt das Argument, Paraguay brauche wegen einbrechender Einnahmen dringend höhere Steuern. Ein Teil der Lücke ist ein Umrechnungseffekt.
Den Mechanismus selbst haben wir bereits beim Blick auf Wachstum und Staatseinnahmen beschrieben, die Kursentwicklung in der Meldung zum Wechselkurs Euro zu Guaraní.
Was das für Auswanderer bedeutet
Zunächst das Wichtigste: Zur Diskussion steht die Binnensteuerlast, nicht das Territorialprinzip. Kein Verband und keine der bisher bekannten Initiativen zielt darauf, ausländische Einkünfte in Paraguay steuerpflichtig zu machen. Die Vorschläge aus der Politik und die Position der Regierung dazu stehen in unseren Meldungen vom 31. August und vom 1. September.
Was Sie im Blick behalten sollten, ist die Mehrwertsteuer. Sie wurde in der Debatte um die Finanzierung der Caja Fiscal als äußerste Möglichkeit genannt. Eine höhere Mehrwertsteuer träfe niemanden über sein Auslandseinkommen, aber jeden über den Einkaufszettel. Für ein Budget in Paraguay ist das der relevantere Hebel als jede Diskussion über Einkommensteuersätze.
Der zweite Punkt ist der Wechselkurs, und er wirkt bereits. Ein starker Guaraní bedeutet für alle, die Rente, Gehalt oder Rechnungen in Euro beziehen, weniger Landeswährung für dieselbe Summe. ABC Color weist am 2. September einen Ankaufskurs von 6.800 Guaraní je Euro aus, der Verkaufskurs liegt bei 7.650. Wer sein Budget vor zwei Jahren gerechnet hat, sollte nachrechnen.
Politisch heißt die Lage: Drei Kräfte stehen derzeit gegen höhere Steuern, nämlich die Steuerbehörde selbst, der Industrieverband und die Werbewirtschaft. Das macht eine schnelle Erhöhung unwahrscheinlicher, beendet die Debatte aber nicht. Die DNIT rechnet für das kommende Jahr mit einem Wachstum der Steuereinnahmen von höchstens 10 Prozent.
Häufige Fragen
Ändert sich durch diese Debatte etwas an der Steuerfreiheit ausländischer Einkünfte?
Nach dem heutigen Stand nein. Paraguay besteuert territorial, und keiner der bekannten Vorschläge greift dieses Prinzip an. Die Auseinandersetzung dreht sich um die Binnenlast und um die Ausgabenseite des Staates.
Warum sinken die Zolleinnahmen, wenn die Wirtschaft wächst?
Weil Zölle auf einer in Guaraní ausgedrückten Bemessungsgrundlage erhoben werden. Wertet der Guaraní auf, sinkt dieser Wert, auch wenn dieselbe Menge Ware eingeführt wird. Die DNIT beziffert den Rückgang der Grundlage in Guaraní auf 5,4 Prozent, in Dollar nur auf 1,9 Prozent.
Wann entscheidet sich, ob Steuern steigen?
Der Haushalt 2027 liegt seit dem 1. September im Parlament. Nach Artikel 216 der Verfassung hat der Kongress danach 60 Tage Zeit. Steuererhöhungen wären eigene Gesetzesvorhaben, die diesen Zeitplan nicht zwingend teilen.
Quellen
ABC Color vom 1. September 2026, drei Beiträge: der DNIT-Bericht zur Zollrecaudation, die Mitteilung der Unión Industrial Paraguaya und die Position der Cámara de Anunciantes del Paraguay. Wechselkursnotierung ABC Color, Stand 2. September 2026.
Diese Meldung fasst den Stand vom 2. September 2026 zusammen und ist keine Steuer- oder Rechtsberatung. Für Ihre persönliche Lage prüfen wir die Fakten im kostenlosen Erstgespräch.

Über den Autor
Yannick Schroth
Gründer · Einwanderungshelfer für Paraguay
Lebt in Asunción und begleitet deutschsprachige Auswanderer auf dem Weg zu Residenz, Cedula und Firmengründung in Paraguay.





